Fruchtfolgegemeinschaft

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Fruchtfolgegemeinschaft2020-12-07T08:27:33+01:00
einfache Möglichkeit zur Vergrösserung von Anbauflächen – effizientere Bewirtschaftung – kompatible Produktionsweisen von Vorteil

Bei der Fruchtfolgegemeinschaft wird die offene Ackerfläche mehrerer Betriebe zusammengelegt und darauf eine gemeinsame Fruchtfolge definiert. Eine Fruchtfolgegemeinschaft lässt sich mit oder ohne Gründung einer Betriebszweiggemeinschaft für den Ackerbau (oder einer Betriebsgemeinschaft) einrichten.

Mit Hilfe einer Fruchtfolgegemeinschaft kann die gemeinsam verfügbare Ackerfläche optimal ausgenutzt und der Flächenanteil bestimmter Kulturen erhöht werden, ohne dass dabei andere Flächen – wie zum Beispiel Öko-Wiesen oder andere Ausgleichsflächen – an Grösse abnehmen.

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«Also da merkt man schon, da sind wir viel effizienter geworden durch die Fruchtfolgegemeinschaft, sowohl im Ackerbau, sowie auch im Futterbau eigentlich.»

Ernst Bachmann , Partner der Betriebsgemeinschaft Flaach

«Im ersten Jahr hatten wir es wahrscheinlich strenger als vorher alleine, bis man sich an alles gewöhnt hatte, aber schon im zweiten Jahr haben wir gemerkt, dass wir viel schlagkräftiger geworden sind.»

Ernst Bachmann , Partner der Betriebsgemeinschaft Flaach

«Wir haben auch am Anfang einmal festgelegt, dass wir nicht ‚minütelen‘; wir helfen einander, bis die Arbeit erledigt ist.»

Ernst Bachmann , Partner der Betriebsgemeinschaft Flaach

«Man muss ein bisschen gleich ticken, einfach wie man einen Betrieb führt, da muss man ähnlich ticken – nicht gleich, man kann sich auch ergänzen.»

Ernst Bachmann , Partner der Betriebsgemeinschaft Flaach

«Betriebe brauchen einfach auch eine gewisse Grösse, um langfristig wirtschaftlich produzieren zu können, oder dann muss man sich auf Nischen festlegen.»

Ernst Bachmann , Partner der Betriebsgemeinschaft Flaach

Eine Fruchtfolgegemeinschaft ist eine geeignete Zusammenarbeitsform, wenn folgende Dinge gegeben sind:

  • Veränderungsbedarf bezüglich Arbeitsbelastung, Liquidität, Maschinenkapital und -kosten sowie Freizeit und Ferien.
  • Viele kleine, schlecht arrondierte Parzellen, deren Bewirtschaftung arbeitsaufwändig ist und die die Nutzung des Potentials moderner Maschinen nicht zulassen.
  • Kolleg/innen oder Nachbar/innen, mit denen man sich eine (nähere) Zusammenarbeit vorstellen kann und deren Fruchtfolge sinvoll mit der eigenen zusammengeführt werden kann.

Weitere Informationen zu Voraussetzungen für Fruchtfolgegemeinschaften (pdf)
Informationen zum Vorgehen bei Fruchtfolgegemeinschaften (pdf)

Was war der Grund für die Gründung einer Fruchtfolgegemeinschaft?
War es schwierig, eine gemeinsame Strategie zu definieren?
Wie ist die Umstellung abgelaufen?

Die erfolgreiche Umsetzung einer Fruchtfolgegemeinschaft zeichnet sich aus durch:

  • Bereitschaft zur Kooperation, Kommunikation und Offenlegung der eigenen Situation;
  • kompatible Produktionsformen und Direktzahlungsarten;
  • klare Verantwortungsbereiche und Arbeitsorganisation, regelmässige Besprechungen und zuverlässige Aufzeichnungen.

Eine regelmässige Betreuung und Überprüfung durch eine externe Fachperson kann ebenfalls zum langfristigen Erfolg einer Fruchtfolgegemeinschaft beitragen.

Weitere Informationen zu Voraussetzungen für Fruchtfolgegemeinschaften (pdf)
Informationen zum Vorgehen bei Fruchtfolgegemeinschaften (pdf)

Was sind Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit in einer Fruchtfolgegemeinschaft?
Wie ist eure Aufgabenteilung?
Wie fällt ihr strategische Entscheide?

Folgende rechtlichen Rahmenbedingungen sind bei der Gründung einer Fruchtfolgegemeinschaft zu beachten:

  • Zwischen den Betrieben darf eine Fahrtdistanz von maximal 15 km liegen.
  • Ohne Betriebs- oder Betriebszweiggemeinschaft werden die Buchhaltungen individuell geführt und entsprechende Direktzahlungen direkt an die beteiligten Betriebe ausgezahlt.
  • Das Zusammenführen unterschiedlicher Anbaustandards bzw. Labels muss gut überprüft werden.

Zentral für eine erfolgreiche Umsetzung der vielfältigen Anforderungen sind frühe und enge Kontakte mit den Ämtern, Beratern und Abnehmern, da sich gesetzliche Grundlagen auch von Kanton zu Kanton unterscheiden können.

Weitere Informationen zu Ausstiegsmodalitäten bei Fruchtfolgegemeinschaften (pdf)
Weitere Informationen zu Vertragsvorlagen für Fruchtfolgegemeinschaften (pdf)

Wie habt ihr alles vertraglich geregelt?
Fühlst du dich in deiner unternehmerischen Freiheit eingeschränkt?

Bei der Laufzeit einer Fruchtfolgegemeinschaft ist zu beachten:

  • Eine Fruchtfolgegemeinschaft sollte langsam aufgebaut werden können (Zielzeitraum drei Jahre) und dann noch mehr Zeit bekommen zur Weiterentwicklung (weitere, grobe Planung über sechs Jahre).
  • Eine Fruchtfolgegemeinschaft kann zeitlich limitiert vereinbart werden, aber auch zeitlich unbegrenzt. Wichtig für die Planungssicherheit sind in diesem Fall klare Kündigungsfristen.
  • Auflösungsmodalitäten wie mögliche Kündigungsgründe und Aufteilung der Vermögenswerte gilt es im Voraus genau festzuhalten.

Weitere Informationen zur Zeitdauer von Fruchtfolgegemeinschaften (pdf)
Weitere Informationen zu Vertragsvorlagen für Fruchtfolgegemeinschaften (pdf)

Weitere Informationen zu Ausstiegsmodalitäten bei Fruchtfolgegemeinschaften (pdf)

Wie habt ihr einander gefunden und wie lange dauerte die Gründung?
Wäre eine Auflösung für dich schlimm?

Weitere Auskünfte zu Fruchtfolgegemeinschaften finden sich:

  • im direkten Gespräch mit Berufskolleg/innen, die bereits Erfahrung mit Fruchtfolgegemeinschaften haben;
  • Im Kontakt mit entsprechenden Fachberatungsstellen und Spezialist/innen, welche bei der Planung und Umsetzung der Gemeinschaft zur Beratung beigezogen werden können.

Wo Menschen zusammen arbeiten, kann vieles schief gehen: es passieren Unfälle oder der Absatzmarkt bricht ein, es werden Fehler gemacht oder Vereinbarungen nicht eingehalten, es kommt zu Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse, etc. Das ist normal und noch kein Grund zur Besorgnis – aber es ist sehr wichtig, dass die betroffenen Partnerinnen und Partner in solchen Situationen richtig reagieren und verhindern, dass aus kleinen Missgeschicken kostspielige Fehlentwicklungen oder aus unterschiedlichen Lagebeurteilungen dauernde Streitereien entstehen.

Untenstehend sind einige Ressourcen aufgeführt, die den Umgang mit Konflikten erleichtern können.

Website Konflikttheorie

Wie vermeidet ihr Konflikte?

Tritt ein massiver oder chronischer Konflikt auf, kann ja nach Eskalationsstufe wie folgt vorgegangen werden:

1. Wenn Vertrauen und Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft grundsätzlich noch intakt sind:
Eine Aussprache zwischen den betroffenen Personen vereinbaren. Dazu genügend Zeit an einem Ort einplanen, wo man nicht gestört werden kann. Während der Aussprache die Regeln für faire Gespräche ganz besonders beachten. Allenfalls beschlossene Massnahmen in einer Versuchsphase prüfen und danach deren Wirkung gemeinsam besprechen und wenn nötig anpassen.

2. Wenn das Vertrauen oder die Gesprächskultur zwar gefährdet sind, aber noch einigermassen funktionieren:
Eine Aussprache mit allen Gesellschafter/innen vereinbaren, um den Streitpunkt wenn möglich intern auszuräumen. Während der Aussprache die Regeln für faire Gespräche ganz besonders beachten. Sich vorgängig über die Ziele des Treffens einigen und dessen Ergebnisse protokollieren. Die beschlossenen Massnahmen in einer Versuchsphase prüfen und danach deren Wirkung gemeinsam besprechen und wenn nötig anpassen.

3. Wenn das Vertrauen gelitten hat und die offene Kommunikation nicht mehr selbstverständlich ist:
Professionelle Unterstützung (Mediation, Coaching, Schlichtung) zur Konfliktlösung beiziehen und dafür das explizite Einverständnis aller Gesellschafter/innen einholen. Mit den Fachleuten die Ziele der Beratung klären und einen Zeit- und Kostenrahmen vereinbaren. Konstruktiv am Gesprächsprogramm der beigezogenen Fachperson teilnehmen und ernsthaft versuchen, die beschlossenen Massnahmen umzusetzen.

4. Wenn das Vertrauen zerrüttet ist und die offene Kommunikation nicht mehr funktioniert:
Zuerst mit einem Coaching prüfen, ob für die Gemeinschaft noch eine Rettungschance besteht. Falls ja beim vorherigen Punkt ansetzen.
Andernfalls nicht zögern, den Austritt eines Mitglieds oder die Auflösung der Gemeinschaft anzupacken. Dazu empfiehlt sich der Beizug einer Fachberatung, denn gerade bei der vorzeitigen Auflösung ist Fairness und Klarheit unter den Partnern oberstes Gebot. Oft braucht es dazu die Unterstützung sowohl einer Moderatorin/eines Coaches wie auch eines Treuhänders/einer Betriebswirtschaftsberaterin. Diese Investition lohnt sich aber auf jeden Fall. Denn ein chaotisches Ende, das sich unter Streitigkeiten hinzieht, wird nicht nur deutlich mehr kosten, sondern auch tiefe emotionale Wunden hinterlassen.

Auch bei der Auflösung dem Programm der Fachberatung konstruktiv folgen und die beschlossenen Massnahmen und Aufgaben ernsthaft und speditiv umsetzen. Wird die Auflösung einer Kooperation sauber und zügig angepackt, können sich die ehemaligen Partner/innen viel schneller wieder auf die eigenen Beine stellen und ihre Zukunft unbelastet neu gestalten.

 Häufig gestellte Fragen

Mein vorgesehener Partner hat auch Flächen in einem anderen Kanton. Können wir trotzdem eine Fruchtfolgegemeinschaft machen?2020-12-06T13:55:39+01:00

Ja, grundsätzlich ist auch die Bildung einer Fruchtfolgegemeinschaft über Kantonsgrenzen hinweg möglich. Benachbarte Kantone haben aber unter Umständen leicht abweichende Vorgaben für ÖLN- oder Fruchtfolgegemeinschaften, nutzen eventuell nicht das gleiche System zur Erfassung der Betriebsdaten und auch die IP-Kontrollen werden meist unterschiedlich organisiert und umgesetzt. Darum sollte man unbedingt rechtzeitig mit den zuständigen Stellen der betroffenen kantonalen Landwirtschaftsämter Kontakt aufnehmen. So kann die Situation im Voraus besprochen und abgeklärt werden, welche Stellen mit welchen Dokumenten und Dateneingaben bedient werden müssen, damit keine Komplikationen entstehen.

Wir möchten zu Dritt den ÖLN-Nachweis erbringen. Braucht es dazu einen schriftlichen Vertrag oder reicht es, wenn wir eine mündliche Vereinbarung treffen und die notwendigen Angaben für die Betriebserfassung einfach entsprechend unseren Abmachungen eingeben?2020-12-06T14:09:18+01:00

Die Kantone verlangen für ÖLN- und Fruchtfolge-Gemeinschaften einen schriftlichen Vertrag. In der Regel finden Sie auf den Webseiten der Landwirtschaftsämter entsprechende Vertragsvorlagen. Falls Sie beim ausformulieren dieser Verträge Probleme haben oder unsicher sind, wie Sie bestimmte Regelungen treffen wollen, lohnt sich der Beizug einer Fachberatung.

Mein Nachbar hat mich angefragt, ob wir unsere Ackerflächen nicht zu einer gemeinsamen Fruchtfolge zusammenlegen könnten. Ich bin unsicher ob ich mir damit nicht neue Probleme einhandle, z.B. Problemunkräuter oder Drahtwürmer. Was raten Sie mir?2020-12-06T14:10:55+01:00

Wenn die Vorteile einer besseren Arrondierung und grösserer Schläge offensichtlich sind, sollten gewisse Risiken drin liegen. Immerhin können Sie ja die Felder des Partners und seine Arbeitsweise jetzt schon beobachten und Ihre Schlüsse daraus ziehen. Überraschungen sind immer möglich, aber der Umgang mit schwierigen Wetterverhältnissen oder eben Schädlingen oder Pflanzenkrankheiten gehört wohl zu den Herausforderungen der Landbewirtschaftung. Wenn Sie den vollen Einstieg in eine längerfristige Kooperation (Betriebszweiggemeinschaft Ackerbau) scheuen, können Sie ja erst Mal eine einfache Fruchtfolgegemeinschaft mit kurzer Mindestdauer eingehen (z.B. 5 Jahre). Falls sich die Zusammenarbeit nicht bewährt, ist ein Ausstieg zum Ende der Laufzeit ohne grossen Aufwand möglich.

Praxisbeispiele

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