Verarbeitungs- und Vermarktungsgemeinschaft

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Verarbeitungs- und Vermarktungsgemeinschaft2021-03-02T05:24:55+01:00
gemeinsame Vermarktung steigert Mehrwert und Gewinn – Kenntnis Lebensmittelgesetz nötig – hohe Professionalität wichtig

In einer Verarbeitungs- resp. Vermarktungsgemeinschaft werden Produkte gemeinsam und zentral koordiniert hergestellt – zum Beispiel unter einem gemeinsamen Label und einheitlichen Standards – oder gemeinsam abgesetzt – beispielsweise durch eine gemeinsame Auslieferung oder geteilte Hofläden. Eine mögliche Ausführung solcher Gemeinschaften sind Catering-Services.

Catering-Services ermöglichen Landwirtinnen und Landwirten, die Freude an der Lebensmittelverarbeitung und Personenkontakt haben, eine Teilzeitarbeit mit fairen Verdienstmöglichkeiten und vermindern das Risiko sowie die Investitionseinlagen der einzelnen Beteiligten.

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«Also es gab Leute, die schon ein Jahr im Voraus gebucht haben, einfach eben weil sie uns wollten, weil sie wussten ‚Wir wollen den Baselbieter Bäuerinnen Apéro‚.»

Susanne Strub, Baselbieter Bäuerinnen Apéro, Leitung Kommunikation und Materialverwaltung

«Ich finde das richtig und wichtig für das Image der Landwirtschaft. Und wir müssen uns nicht verstecken; wir haben so gute Produkte, wir haben so tolle Sachen aus unserem eigenen Boden.»

Susanne Strub, Baselbieter Bäuerinnen Apéro, Leitung Kommunikation und Materialverwaltung

«Wenn wir am Schluss dann zurückkommen und den Abwasch machen, also das geht dann manchmal auch wirklich lustig zu und her. Also das Gesellige kommt bei uns nicht zu kurz.»

Susanne Strub, Baselbieter Bäuerinnen Apéro, Leitung Kommunikation und Materialverwaltung

«Wir werden engagiert, einfach weil unser Konzept – regional, saisonal – das ist gefragt.»

Susanne Strub, Baselbieter Bäuerinnen Apéro, Leitung Kommunikation und Materialverwaltung

«Das ist das A und O, dass man sich einfach genug Zeit nimmt für den ganzen Aufbau.»

Susanne Strub, Baselbieter Bäuerinnen Apéro, Leitung Kommunikation und Materialverwaltung

Folgendes sollte gegeben sein, damit der Einstieg in ein gemeinsames Gastro-Projekt funktioniert:

  • Beteiligte haben Freude an der Gästebewirtung, an der Teamarbeit und der Lebensmittelverarbeitung.
  • Erfahrung in der Gästebewirtung und/oder Lebensmittelverarbeitung bei den Beteiligten idealerweise bereits vorhanden.
  • Risiken des Projekts sind bekannt und entsprechende Präventionsmassnahmen getroffen.
  • Ein gemeinsames Ziel/eine Vision des gemeinsamen Produkts oder der gemeinsamen Dienstleistung ist vorhanden.
  • Nötige Investitionen für den Start des Projektes bewegen sich in einem tragbaren Rahmen.

Weitere Informationen zu Voraussetzungen für Catering-Services (pdf)
Informationen zum Vorgehen bei Catering-Services (pdf)

Wie ist das Projekt entstanden?
Welche Investitionen gab es bei der Gründung?

Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für einen Cateringservice gehören:

  • Bereitschaft zur Zusammenarbeit, Kommunikationsfähigkeit;
  • gute und effiziente Organisation, klare Zuteilung der Verantwortlichkeiten, Solidarität bei Arbeitsspitzen;
  • verständliche und faire vertragliche Abmachungen in einer geeigneten Rechtsform;
  • Sicherung professioneller Arbeit und einheitlicher Qualitätsstandards durch entsprechende Weiterbildungen;
  • breite Vernetzung in der Region.

Weitere Informationen zu Voraussetzungen für Catering-Services (pdf)
Informationen zum Vorgehen bei Catering-Services (pdf)

Wie läuft es ab, wenn jemand euch engagieren möchte?
Wie viele Arbeitsstunden fallen pro Jahr und Person an?
Wie ist das mit der Werbung?
Wie habt ihr die Preise berechnet?

Beim Aufbau eines Cateringservice sollten folgende rechtlichen Bedingungen beachtet werden:

  • Beachtung der kantonalen Lebensmittelgesetzgebung und deren Regelung von Patenten und Sonderlizenzen.
  • Einhaltung der allgemeinen Vorschriften zu Verarbeitung, Hygiene, Deklaration, Kontrolle von Lebensmitteln gemäss den entsprechenden Verordnungen und Weisungen des Bundes.
  • Kenntnis über Konsequenzen der Produkthaftpflicht und Festlegung entsprechender Qualitätssicherungsmassnahmen.
  • Organisation des Projektes in einer anerkannten Rechtsform (Risikoverminderung und professionelle Wirkung nach aussen).

Weitere Informationen zu Rechtsgrundlagen für Catering-Services (pdf)
Weitere Informationen zu Vertragsvorlagen für Catering-Services (pdf)
Weitere Informationen zu Ausstiegsmodalitäten in Catering-Services (pdf)

Wie seid ihr rechtlich organisiert?
Gibt es Verantwortlichkeiten in der GmbH?
Wie geht ihr mit Qualitätsstandards und Haftung um?

Durchschnittliche Laufzeiten für gemeinschaftliche Gastro-Angebote sind:

  • Gründungsprozess: 6 – 12 Monate.
  • Vertragsdauer: 5 – 15 Jahre, je nach Ambitionen, Investitionsumfang und Lebensplanung der Partner/innen.

Eine Verlängerung der Laufzeit ist jederzeit möglich und im Idealfall auch bereits im Vertrag geregelt. Der Vertrag sollte ebenfalls auch zwingend Regelungen für den Fall eines vorzeitigen Ausstiegs enthalten, damit dieser möglichst reibungslos abläuft.

Weitere Informationen zur Zeitdauer von Catering-Services (pdf)
Weitere Informationen zu Rechtsgrundlagen für Catering-Services (pdf)
Weitere Informationen zu Vertragsvorlagen für Catering-Services (pdf)
Weitere Informationen zu Ausstiegsmodalitäten in Catering-Services (pdf)

Gibt es viele Wechsel im Team?
Wie viele Aperos macht ihr pro Jahr?

Auskünfte zum gemeinschaftlichen Cateringservice finden sich:

  • im direkten Gespräch mit Kolleg/innen, die bereits Erfahrung mit Cateringservices haben;
  • im Kontakt mit entsprechenden Fachberatungsstellen und Spezialist/innen, welche auch vor und während der Gründung eines Cateringservices zur Beratung beigezogen werden können;
  • Im Kontakt mit kantonalen Lebensmittelinspektoraten.
Habt ihr bei der Gründung Fachberatung gebraucht?

Weil sich die möglichen Konflikte und kritischen Situationen bei einem gemeinschaftlichen Cateringservice sehr ähnlich gestalten wie bei Betriebs- oder Betriebszweiggemeinschaften, wird hier auf die entsprechenden Informationen zu Konflikten in diesen Kooperationsformen verwiesen, aber auch auf die allgemeinen Hinweise zum Konfliktmanagement:

Wie geht ihr mit Konflikten um?

Tritt ein massiver oder chronischer Konflikt auf, kann ja nach Eskalationsstufe wie folgt vorgegangen werden:

1. Wenn Vertrauen und Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft grundsätzlich noch intakt sind:
Eine Aussprache zwischen den betroffenen Personen vereinbaren. Dazu genügend Zeit an einem Ort einplanen, wo man nicht gestört werden kann. Während der Aussprache die Regeln für faire Gespräche ganz besonders beachten. Allenfalls beschlossene Massnahmen in einer Versuchsphase prüfen und danach deren Wirkung gemeinsam besprechen und wenn nötig anpassen.

2. Wenn das Vertrauen oder die Gesprächskultur zwar gefährdet sind, aber noch einigermassen funktionieren:
Eine Aussprache mit allen Gesellschafter/innen vereinbaren, um den Streitpunkt wenn möglich intern auszuräumen. Während der Aussprache die Regeln für faire Gespräche ganz besonders beachten. Sich vorgängig über die Ziele des Treffens einigen und dessen Ergebnisse protokollieren. Die beschlossenen Massnahmen in einer Versuchsphase prüfen und danach deren Wirkung gemeinsam besprechen und wenn nötig anpassen.

3. Wenn das Vertrauen gelitten hat und die offene Kommunikation nicht mehr selbstverständlich ist:
Professionelle Unterstützung (Mediation, Coaching, Schlichtung) zur Konfliktlösung beiziehen und dafür das explizite Einverständnis aller Gesellschafter/innen einholen. Mit den Fachleuten die Ziele der Beratung klären und einen Zeit- und Kostenrahmen vereinbaren. Konstruktiv am Gesprächsprogramm der beigezogenen Fachperson teilnehmen und ernsthaft versuchen, die beschlossenen Massnahmen umzusetzen.

4. Wenn das Vertrauen zerrüttet ist und die offene Kommunikation nicht mehr funktioniert:
Zuerst mit einem Coaching prüfen, ob für die Gemeinschaft noch eine Rettungschance besteht. Falls ja beim vorherigen Punkt ansetzen.
Andernfalls nicht zögern, den Austritt eines Mitglieds oder die Auflösung der Gemeinschaft anzupacken. Dazu empfiehlt sich der Beizug einer Fachberatung, denn gerade bei der vorzeitigen Auflösung ist Fairness und Klarheit unter den Partnern oberstes Gebot. Oft braucht es dazu die Unterstützung sowohl einer Moderatorin/eines Coaches wie auch eines Treuhänders/einer Betriebswirtschaftsberaterin. Diese Investition lohnt sich aber auf jeden Fall. Denn ein chaotisches Ende, das sich unter Streitigkeiten hinzieht, wird nicht nur deutlich mehr kosten, sondern auch tiefe emotionale Wunden hinterlassen.

Auch bei der Auflösung dem Programm der Fachberatung konstruktiv folgen und die beschlossenen Massnahmen und Aufgaben ernsthaft und speditiv umsetzen. Wird die Auflösung einer Kooperation sauber und zügig angepackt, können sich die ehemaligen Partner/innen viel schneller wieder auf die eigenen Beine stellen und ihre Zukunft unbelastet neu gestalten.

 Häufig gestellte Fragen

Welche Versicherungen sollten abgeschlossen werden, wenn wir gemeinsam Apéroprodukte herstellen und servieren?2020-12-07T08:45:02+01:00

Damit Sie bei einem Schadenfall nicht die vollen Kosten übernehmen müssen, sollten bei der Erarbeitung des Gemeinschaftsprojekts folgende Versicherungen überprüft (wenn schon vorhanden) resp. neu eingerichtet werden: Betriebshaftpflicht, Brandschutzversicherung, • Diebstahlversicherung, Produktehaftpflichtversicherung, Sozialversicherungen für fremde oder familieneigene Arbeitskräfte (AHV, IV, EO, Pensionskasse und Unfallversicherung). Durch den Beizug einer Versicherungsberatung kann vermieden werden, dass etwas vergessen geht.

Wir fahren gemeinsam mit Produkten unserer Betriebe regelmässig zu einem Wochenmarkt. Wir sind uns nicht einig, ob es notwendig ist, für diese Aktivitäten eine Gesellschaft zu gründen – lohnt sich dieser Aufwand wirklich?2020-12-06T15:26:24+01:00

In der Anfangsphase kann eine gemeinschaftliche Vermarktungsinitiative auch ohne formelle Strukturen auskommen, einfach mit gegenseitige mündliche Abmachungen: Abrechnung gegenüber den Kunden via Marktkasse, Abrechnung innerhalb der Gemeinschaft mit Rechnungen für Lieferungen resp. Entschädigungen für Arbeitsleistungen oder Fahrkosten.
Doch bei diesem formlosen Konzept handelt es sich bereits um eine einfache Gesellschaft gemäss Obligationenrecht (OR Art. 530 ff.). Diese Rechtsform entsteht auch stillschweigend ohne schriftlichen Vertrag – es gelten dann jene Regeln, welche im OR für die einfache Gesellschaft vorgesehen sind. Warum also nicht aktiv eine einfache Gesellschaft gründen und dabei einige wichtige Grundsätze nach eigenen Bedürfnissen regeln, wie z.B. Entscheidungsregeln, Entschädigungsansätze, Gewinn- und Verlustverteilung, Vorgehen bei Auflösung? Zusammen mit der Betriebsberatung kann ohne grossen Aufwand eine praktische Lösung gefunden werden.

Welche Gesetzesvorgaben müssen wir berücksichtigen, wenn wir vier Bäuerinnen eines kleinen Weilers eine gemeinsame Besenbeiz betreiben und mit Produkten beliefern möchten?2020-12-06T15:25:11+01:00

Zur Gästebewirtung auf dem Bauernhof muss eine ganze Reihe von gesetzlichen Voraussetzungen und Vorschriften beachtet werden. Zuallererst sollte geprüft werden, ob die raumplanerischen Bedingungen für eine Bewirtung in der Landwirtschaftszone gegeben sind (z.B. enger sachlicher Bezug zur Landwirtschaft durch Verwendung hofeigener Produkte, Arbeiten überwiegend durch Bewirtschafterfamilie geleistet). Dann müssen baulich dieselben Rahmenbedingungen eingehalten werden, wie sie für Gastgewerbebetriebe in vergleichbaren Situationen in den Bauzonen gelten (Lebensmittelhygiene, Brandschutz, Unfallverhütung, Sanitäreinrichtungen etc.). Bei der Verarbeitung von Lebensmitteln gilt es selbstverständlich auch sämtliche Regelungen bezüglich Herkunft, Qualität, Hygiene, Deklaration etc. zu beachten und mittels Selbstkontrolle zu dokumentieren. Zudem sind arbeitsrechtliche Bestimmungen zu beachten (Gesamtarbeitsvertrag Gastronomie resp. Normalarbeitsvertrag Landwirtschaft wenn weniger als 50% in Gastgewerbe tätig, AHV-Abrechnung etc.). Schliesslich müssen für die Gästebewirtung auch Bewilligungen eingeholt (Wirtepatent, Alkoholausschank usw.) sowie Meldepflichten erfüllt werden.
Das wird schnell anspruchsvoll, darum lässt man sich mit Vorteil beraten!

Praxisbeispiele

Baselbieter Bäuerinnen Apéro (BL)

Cateringservice - Alle Praxisbeispiele (PDF) Kontakt Baselbieter Bäuerinnen Apéro GmbH Chrüeglihof 462 Rickenbach www.blba.ch ...

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