Flächentausch

Flächentausch2021-03-02T16:31:52+01:00
schafft zusammenhängende Flächen – einfachste Zusammenarbeitsform – meist kein Vertrag nötig

Der Flächentausch – auch Freihändiger Bewirtschaftungstausch genannt – ist die einfachste Form der Zusammenarbeit. Bei einem Flächentausch werden gleich grosse resp. gleichwertige Flächen zwischen den beteiligten Betrieben in einem festgelegten Zeitraum zur Bewirtschaftung getauscht; das Eigentum bleibt unverändert.

Der Flächentausch ermöglicht die Vergrösserung fruchtfolgekritischer Anbauflächen der beteiligten Betriebe. Er kann auch die Arrondierung eines Betriebes rationeller gestalten, indem grössere und zusammenhängendere Parzellen durch den Tausch geschaffen werden.

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Detailbeschrieb (pdf)
Alle Informationen (pdf)
Schlüsselfaktoren (pdf)

Video folgt. 

Das Video über praktische Erfahrungen zum Flächentausch ist zurzeit in Bearbeitung und daher noch nicht verfügbar. Wir arbeiten daran, das Video schnellstmöglich fertigzustellen. 

Schauen Sie sich in der Zwischenzeit bereits verfügbare Erfolgsgeschichten an:

Fruchtfolgegemeinschaft – FFG Bachmann-Schläpfer-Fritschi
Pachtlandarrondierung – PA Flugplatz Buochs
Vertragliche Landumlegung – VLU Reidenmoos
Betriebszweiggemeinschaft – Tierhaltergemeinschaft Ehrenbüel
Verarbeitungs- / Vermarktungsgemeinschaft – Baselbieter Bäuerinnen Apéro

Testimonial

In Bearbeitung.

Folgende Voraussetzungen sollten gegeben sein, damit ein Flächentausch Sinn macht:

  • Betroffenheit mit manifestem Bedarf, etwas zu verbessern (z. B. Engpass auf dem Betrieb bezüglich Fruchtfolge, Futterflächen oder Bedürfnis nach einer einfachen Arrondierung).
  • Gesprächs- und Diskussionskultur und konkrete Gesprächsbereitschaft für eine erste Kontaktaufnahme.
  • Eine gewisse Nähe zu möglichen Partner/innen, etwa bewährte nachbarschaftliche Hilfe bei Arbeitsspitzen oder Wochenendablösung im Stall.
  • Ein konstruktives Verhältnis zu Verpächter/innen beim Tausch von Pachtland, damit diese bei Interesse laufend informiert werden und den Nutzen nachvollziehen können.

Betriebssituationen, bei denen ein Flächentausch naheliegt:

  • Fruchtfolgeflächen für wichtigste Ackerbaukultur (Know-how) fehlen auf Betrieben mit unterschiedlichen Kulturen.
  • Futterflächen fehlen, dem Nachbarn oder der Nachbarin fehlen Fruchtfolgeflächen.
  • Arrondierte Weideflächen fehlen (für Kühe, Pferde etc.).
Wie kam es dazu, dass ihr den Flächentausch organisiert habt? (Video folgt)
Wie viele seid ihr, die miteinander Flächen austauschen? (Video folgt)

Erfolgsfaktoren für einen Flächentausch sind:

Bei Vorbereitung und Aufbau:

  • Transparente Information über eigene Bedürfnisse, Flächenengpässe
  • Beobachten, fragen, die Nachbarn direkt oder indirekt ansprechen
  • Probejahr und -vertrag anbieten
  • Frühzeitige Information allfälliger Verpächter, Stellungnahme einholen und bei der Formulierung der Vereinbarung mit berücksichtigen

In der Umsetzung, Realisationsphase:

  • Regelmässiger Informationsaustausch, keine Einmischung bei der Bewirtschaftung des anderen
  • Kurzer Austausch am Ende des Jahres, den anderen nach seinen Beobachtungen und Einschätzungen fragen und neuen Flächenabtausch mündlich vereinbaren, allfällige weitere Zusammenarbeitsmöglichkeiten diskutieren
Welche Rolle spielt das Zwischenmenschliche? (Video folgt)

Bei einem Flächentausch sollten folgende rechtliche Bedingungen beachtet werden:

  • Eine mündliche Abmachung genügt, ein schriftlicher Vertrag wird aber meist aufgesetzt.
  • Information von Verpächter/innen, vor allem bei mehrjährigen Flächentauschen.
  • Berücksichtigung produktionstechnischer Herausforderungen und Direktzahlungen (z.B. bei unterschiedlichen Labelproduktionen).
  • Versicherungsfragen ansprechen (grundsätzlich keine Veränderung notwendig).

Weitere Informationen zu Rechtsgrundlagen bei einem Flächentausch (pdf)

Habt ihr den Austausch schriftlich oder „per Handschlag“ festgehalten? (Video folgt)
Habt ihr eine Bonitierung der Böden durchgeführt? (Video folgt)
Fühlt ihr euch in eurer unternehmerischen Freiheit eingeschränkt? (Video folgt)

Bezüglich der Laufzeit eines Flächentausches gilt:

  • Die Dauer ist bei gutem Einvernehmen unbeschränkt, die Abmachung eines Zeitpunktes zur Standortbestimmung ist aber zu empfehlen.
  • Unbedingt allfällige Verpächter/innen frühzeitig und immer wieder in das Vorhaben mit einbeziehen, vor allem bei mehrjährigem Flächentausch.

Weitere Informationen zu Rechtsgrundlagen bei einem Flächentausch (pdf)

Für welche Dauer tauscht ihr jeweils die Flächen? (Video folgt)

Auskünfte zum Flächentausch finden sich:

  • im direkten Gespräch mit Berufskolleg/innen, die bereits Erfahrung mit einem Freihändigen Bewirtschaftungstausch haben;
  • Im Kontakt mit entsprechenden Fachberatungsstellen und Spezialist/innen, welche auch vor und während der Durchführung eines Flächentausches zur Beratung beigezogen werden können.
Hatter ihr Beratung? (Video folgt)
Welche Empfehlungen habt ihr für andere? (Video folgt)

Wo Menschen zusammen arbeiten, kann vieles schief gehen: es passieren Unfälle oder der Absatzmarkt bricht ein, es werden Fehler gemacht oder Vereinbarungen nicht eingehalten, es kommt zu Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse, etc. Das ist normal und noch kein Grund zur Besorgnis – aber es ist sehr wichtig, dass die betroffenen Partnerinnen und Partner in solchen Situationen richtig reagieren und verhindern, dass aus kleinen Missgeschicken kostspielige Fehlentwicklungen oder aus unterschiedlichen Lagebeurteilungen dauernde Streitereien entstehen.

Untenstehend sind einige Ressourcen aufgeführt, die den Umgang mit Konflikten erleichtern können.

Website Konflikttheorie

Wie geht ihr mit Konflikten um? (Video folgt)
Was würde bei einem Austritt eines Landwirtes passieren? (Video folgt)

Tritt ein massiver oder chronischer Konflikt auf, kann ja nach Eskalationsstufe wie folgt vorgegangen werden:

1. Wenn Vertrauen und Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft grundsätzlich noch intakt sind:
Eine Aussprache zwischen den betroffenen Personen vereinbaren. Dazu genügend Zeit an einem Ort einplanen, wo man nicht gestört werden kann. Während der Aussprache die Regeln für faire Gespräche ganz besonders beachten. Allenfalls beschlossene Massnahmen in einer Versuchsphase prüfen und danach deren Wirkung gemeinsam besprechen und wenn nötig anpassen.

2. Wenn das Vertrauen oder die Gesprächskultur zwar gefährdet sind, aber noch einigermassen funktionieren:
Eine Aussprache mit allen Gesellschafter/innen vereinbaren, um den Streitpunkt wenn möglich intern auszuräumen. Während der Aussprache die Regeln für faire Gespräche ganz besonders beachten. Sich vorgängig über die Ziele des Treffens einigen und dessen Ergebnisse protokollieren. Die beschlossenen Massnahmen in einer Versuchsphase prüfen und danach deren Wirkung gemeinsam besprechen und wenn nötig anpassen.

3. Wenn das Vertrauen gelitten hat und die offene Kommunikation nicht mehr selbstverständlich ist:
Professionelle Unterstützung (Mediation, Coaching, Schlichtung) zur Konfliktlösung beiziehen und dafür das explizite Einverständnis aller Gesellschafter/innen einholen. Mit den Fachleuten die Ziele der Beratung klären und einen Zeit- und Kostenrahmen vereinbaren. Konstruktiv am Gesprächsprogramm der beigezogenen Fachperson teilnehmen und ernsthaft versuchen, die beschlossenen Massnahmen umzusetzen.

4. Wenn das Vertrauen zerrüttet ist und die offene Kommunikation nicht mehr funktioniert:
Zuerst mit einem Coaching prüfen, ob für die Gemeinschaft noch eine Rettungschance besteht. Falls ja beim vorherigen Punkt ansetzen.
Andernfalls nicht zögern, den Austritt eines Mitglieds oder die Auflösung der Gemeinschaft anzupacken. Dazu empfiehlt sich der Beizug einer Fachberatung, denn gerade bei der vorzeitigen Auflösung ist Fairness und Klarheit unter den Partnern oberstes Gebot. Oft braucht es dazu die Unterstützung sowohl einer Moderatorin/eines Coaches wie auch eines Treuhänders/einer Betriebswirtschaftsberaterin. Diese Investition lohnt sich aber auf jeden Fall. Denn ein chaotisches Ende, das sich unter Streitigkeiten hinzieht, wird nicht nur deutlich mehr kosten, sondern auch tiefe emotionale Wunden hinterlassen.

Auch bei der Auflösung dem Programm der Fachberatung konstruktiv folgen und die beschlossenen Massnahmen und Aufgaben ernsthaft und speditiv umsetzen. Wird die Auflösung einer Kooperation sauber und zügig angepackt, können sich die ehemaligen Partner/innen viel schneller wieder auf die eigenen Beine stellen und ihre Zukunft unbelastet neu gestalten.

 Häufig gestellte Fragen

Ich habe in diesem Jahr eine Fläche zum Maisanbau mit dem Nachbarn abgetauscht. Müssen wir das dem Landwirtschaftsamt mitteilen?2020-12-06T12:56:31+01:00

Bei der Betriebsdatenerfassung müssen die Flächen, die im betreffenden Jahr bewirtschaftet werden, wahrheitsgetreu angegeben werden. Dies kann vom Landwirt oder von der Landwirtin selber online gemacht werden. Auch wenn Parzellen unterteilt werden, kann man selber Unterparzellen erstellen, die dann der jeweilige Bewirtschafter für seinen Betrieb angibt.
Vorsicht: Handelt es sich bei einem der Partner um einen Biobetrieb und der andere wird konventionell bewirtschaftet, können die Tauschparzellen erst nach 2 Jahren Umstellzeit (wieder) als Bioflächen anerkannt werden.

Meine Bewirtschaftungspartnerin möchte mitten im Jahr den Bewirtschaftungstausch wieder rückgängig machen, ist das möglich?2020-12-06T13:09:59+01:00

Eigentlich nicht, denn im Normalfall werden Flächen mindestens für ein ganzes Bewirtschaftungsjahr abgetauscht. Haben die Tauschpartner einen schriftlichen Vertrag abgeschlossen, sollte die Sachlage aufgrund der Vertragsbedingungen klar sein und entsprechend eingehalten werden. Wurde der Tausch nur mündlich abgemacht, gelten die Grundsätze zwar ebenfalls, aber es ist schwieriger, sich über die Details der Abmachung einig zu werden.
Wenn es gute Gründe gibt, den Flächentausch vorzeitig rückgängig zu machen, ist eine Vertragsauflösung in gegenseitiger Übereinkunft möglich. Das kann aber kompliziert werden, weil die jeweiligen Investitionen der Partner in die betroffenen Flächen (Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, Arbeit etc.) gegenseitig abgerechnet werden müssen.
Im Notfall eine Fachberatung beiziehen.

Mein Nachbar möchte mit mir Flächen abtauschen, damit für uns beide eine bessere Arrondierung entsteht. Nun handelt es sich bei einer der Parzellen aber um Pachtland eines Dritten – wie müssen wir vorgehen?2020-12-06T13:13:13+01:00

Werden Pachtflächen abgetauscht so muss mit Fingerspitzengefühl vorgegangen werden. Wird kein anderslautender Vertrag vereinbart, so handelt es sich um eine Unterpacht. Dazu braucht es zwingend die Zustimmung der Verpächter, sofern die Unterpacht nicht generell im Pachtvertrag untersagt ist.
Nicht zu unterschätzen ist der psychologische Aspekt für den Verpächter. Meist wurde das Land bewusst an jemanden verpachtet der das Land gut bewirtschaftet. Daher sind viele dann nicht einverstanden, dass das Land durch einen anderen Landwirt bewirtschaftet wird.

Wie wird beim Flächentausch eine faire und für alle akzeptable Zuweisung der Parzellen erreicht, ohne dass jemand zu kurz kommt?2020-12-06T13:26:34+01:00

Da ein Flächentausch in der Regel eher auf kurze Dauer vereinbart wird, werden beim Abtausch vor allem die Flächengrössen berücksichtig, die möglichst gleich gross sein sollten. Unterschiedliche Bodenqualitäten werden dann oft vernachlässigt, solange sie nicht allzu gross sind. Soll der Flächentausch aber auf längere Zeit vereinbart werden, lohnt es sich schon, eine vollständige Bonitierung der betroffenen Parzellen vorzunehmen und möglichst gleichwertige Flächenqualitäten für den Abtausch einzurichten. Dazu wird mit Vorteil eine neutrale Fachexpertise beigezogen.

Praxisbeispiele

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