Betriebszweiggemeinschaft

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Betriebszweiggemeinschaft2021-03-01T22:21:33+01:00
ein oder mehrere gemeinsame Betriebszweige – restlicher Betrieb individuell – kombiniert Gemeinschaft und Selbstständigkeit

In einer Betriebszweiggemeinschaft werden nur bestimmte Betriebszweige von zwei oder mehr Betrieben zusammengeführt und fortan gemeinsam durch alle Beteiligten bewirtschaftet, oft in Form einer Tierhaltergemeinschaft. Alle anderen Betriebszweige werden weiterhin selbstständig durch die Gesellschafter/innen geführt. Das zu den gemeinsam geführten Betriebszweigen gehörige Inventar und die Tierbestände werden vereint, Flächen, Ökonomiegebäude, Produktions- und Lieferrechte belieben im Eigentum der einzelnen Gesellschafter/innen, werden aber bei Bedarf der Gemeinschaft zur Nutzung überlassen.

Betriebszweiggemeinschaften ermöglichen eine kosteneffizientere und rationellere Arbeitsweise, eine bessere Gebäude- und Maschinenauslastung, bessere Vertretungsmöglichkeiten – beispielsweise bei der Arbeit im Stall – und eine Risikoteilung im betroffenen Betriebszweig. Gleichzeitig bleibt den Gesellschafter/innen ein selbständig geführter Betriebsteil erhalten.

Detailbeschrieb (pdf)
Alle Informationen (pdf)
Schlüsselfaktoren (pdf)

«Wir arbeiten sehr rationell, sehr effizient; wir produzieren über hundert Kilogramm Milch pro Arbeitskraftstunde.»

Thomas Bachmann, Partner der Betriebsgemeinschaft Ehrenbüel

«Ich habe eigentlich viel mehr Möglichkeiten. Und jetzt ist es ein Unternehmen – vorher war es ein Einzelbetrieb, den ich hatte.»

Thomas Bachmann, Partner der Betriebsgemeinschaft Ehrenbüel

«Wenn wir etwas diskutieren müssen, dann müssen wir das einfach so anpassen und einen Konsens finden, dass alle vier dahinter stehen können. Es kann nicht einer sagen ‚Dahin gehen wir‘ und das zieht man durch.»

Thomas Bachmann, Partner der Betriebsgemeinschaft Ehrenbüel

«Man muss diese Gedankengänge einfach reifen lassen, man kann nichts überstürzen, das bringt nichts.»

Thomas Bachmann, Partner der Betriebsgemeinschaft Ehrenbüel

«Sehr wichtig ist, dass wir sehr tolerant sind. Wir lassen auch mal zwei bis drei Tausend Franken stehen, wir rechnen alles sehr pauschal ab, in allen Belangen.»

Thomas Bachmann, Partner der Betriebsgemeinschaft Ehrenbüel

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit es sich lohnt, mit möglichen Partner/innen ernsthaft über die Gründung einer Betriebszweiggemeinschaft zu diskutieren:

  • Der Zusammenschluss des betreffenden Betriebszweigs für die Zukunft aller Beteiligten sinnvoll und gewinnbringend.
  • Ansprüche und Erwartungen an die gemeinsame Produktion stimmen weitgehend überein.
  • Erfahrung in der Zusammenarbeit und gutes Verständnis untereinander vorhanden.
  • Arbeitsweise des anderen und Organisation des künftigen, gemeinsamen Arbeitsalltags rund um den gemeinsame Betriebszweig bekannt.
  • Einverständnis der beteiligten Familien ebenfalls vorhanden.

Weitere Informationen Voraussetzungen für Betriebszweiggemeinschaften (pdf)
Weitere Informationen Vorgehen bei Betriebszweiggemeinschaften (pdf)

Was war der Auslöser für die Gründung einer Betriebszweiggemeinschaft?
Wieso eine Betriebszweiggemeinschaft und keine Betriebsgemeinschaft?
Hättest du rückblickend etwas anders gemacht?

Zu den Erfolgsfaktoren für eine Betriebszweiggemeinschaft gehört:

  • ein gemeinsames Konzept für den betreffenden Betriebszweig mit finanziellen Vorteilen für alle Partner/innen;
  • die Rationalisierung der Arbeitsabläufe und spürbare Entlastung für alle Beteiligten;
  • eine faire Verteilung von Verantwortung, Arbeitslast und Gewinn innerhalb des gemeinsam geführten Betriebszweiges;
  • eine positive und offene Gesprächskultur sowie Kritikfähigkeit unter den Partnerfamilien.

Weitere Informationen Voraussetzungen für Betriebszweiggemeinschaften (pdf)
Weitere Informationen Vorgehen bei Betriebszweiggemeinschaften (pdf)

Was sind Erfolgsfaktoren in einer Betriebszweiggemeinschaft?
Wie seid ihr organisiert?
Ist deine unternehmerische Freiheit durch die Betriebszweiggemeinschaft eingeschränkt?

Bei der Gründung einer Betriebszweiggemeinschaft müssen folgende rechtlichen Bedingungen erfüllt sein:

  • Distanz: Die Betriebszentren liegen in einer Fahrdistanz von höchstens 15 km.
  • Selbständigkeit: Alle beteiligten Betriebe haben vor dem Zusammenschluss einen Mindestarbeitsbedarf von 0.20 SAK auf ihrem Betrieb erreicht.
  • Grundsatz: Die beteiligten Betriebe halten Nutztiere gemeinsam oder führen einen Teil ihrer Betriebszweige gemeinsam, bewirtschaften alle anderen Betriebszweige aber selbstständig auf eigene Rechnung.
  • Mitarbeit in der Gemeinschaft: Die Beteiligten sind sowohl für die Betriebszweiggemeinschaft als auch auf ihren eigenen Betrieben tätig.
  • Schriftlicher Vertrag: Über die Betriebszweiggemeinschaft liegt ein schriftlicher Vertrag vor, in dem die Zusammenarbeit und die Aufteilung der Flächen und Tiere geregelt sind.

In der Regel erhalten Betriebsgemeinschaft die Rechtsform der Einfachen Gesellschaft. Die Gründung einer Einfachen Gesellschaft ist relativ unkompliziert, dafür sind alle beteiligten Partner/innen solidarisch für die Betriebsgemeinschaft haftbar.

Weitere Informationen zu Rechtsgrundlagen für Betriebszweiggemeinschaften (pdf)
Weitere Informationen zu Vertragsvorlagen für Betriebszweiggemeinschaften (pdf)
Weitere Informationen zu Ausstiegsmodalitäten in Betriebszweiggemeinschaften (pdf)

Wie lief der Gründungsprozess ab?
Gab es mühsame rechtliche Hindernisse?
Wie wurde der neue Stall finanziert?

Auskünfte zur Betriebszweiggemeinschaft finden sich:

  • im direkten Gespräch mit Berufskolleg/innen, die bereits Erfahrung mit Betriebsgemeinschaften haben;
  • Im Kontakt mit entsprechenden Fachberatungsstellen und Spezialist/innen, welche auch vor und während der Gründung einer Betriebsgemeinschaft zur Beratung beigezogen werden können.
Hattet ihr Unterstützung durch Berater?

Wo Menschen zusammen arbeiten, kann vieles schief gehen: es passieren Unfälle oder der Absatzmarkt bricht ein, es werden Fehler gemacht oder Vereinbarungen nicht eingehalten, es kommt zu Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse, etc. Das ist normal und noch kein Grund zur Besorgnis – aber es ist sehr wichtig, dass die betroffenen Partnerinnen und Partner in solchen Situationen richtig reagieren und verhindern, dass aus kleinen Missgeschicken kostspielige Fehlentwicklungen oder aus unterschiedlichen Lagebeurteilungen dauernde Streitereien entstehen.

Untenstehend sind einige Ressourcen aufgeführt, die den Umgang mit Konflikten erleichtern können.

Allgemeine Informationen zur Konfliktlösung in Betriebszweiggemeinschaften (pdf)
Website Konflikttheorie

Wie geht ihr mit Konflikten um?

Tritt ein massiver oder chronischer Konflikt auf, kann ja nach Eskalationsstufe wie folgt vorgegangen werden:

1. Wenn Vertrauen und Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft grundsätzlich noch intakt sind:
Eine Aussprache zwischen den betroffenen Personen vereinbaren. Dazu genügend Zeit an einem Ort einplanen, wo man nicht gestört werden kann. Während der Aussprache die Regeln für faire Gespräche ganz besonders beachten. Allenfalls beschlossene Massnahmen in einer Versuchsphase prüfen und danach deren Wirkung gemeinsam besprechen und wenn nötig anpassen.

2. Wenn das Vertrauen oder die Gesprächskultur zwar gefährdet sind, aber noch einigermassen funktionieren:
Eine Aussprache mit allen Gesellschafter/innen vereinbaren, um den Streitpunkt wenn möglich intern auszuräumen. Während der Aussprache die Regeln für faire Gespräche ganz besonders beachten. Sich vorgängig über die Ziele des Treffens einigen und dessen Ergebnisse protokollieren. Die beschlossenen Massnahmen in einer Versuchsphase prüfen und danach deren Wirkung gemeinsam besprechen und wenn nötig anpassen.

3. Wenn das Vertrauen gelitten hat und die offene Kommunikation nicht mehr selbstverständlich ist:
Professionelle Unterstützung (Mediation, Coaching, Schlichtung) zur Konfliktlösung beiziehen und dafür das explizite Einverständnis aller Gesellschafter/innen einholen. Mit den Fachleuten die Ziele der Beratung klären und einen Zeit- und Kostenrahmen vereinbaren. Konstruktiv am Gesprächsprogramm der beigezogenen Fachperson teilnehmen und ernsthaft versuchen, die beschlossenen Massnahmen umzusetzen.

4. Wenn das Vertrauen zerrüttet ist und die offene Kommunikation nicht mehr funktioniert:
Zuerst mit einem Coaching prüfen, ob für die Gemeinschaft noch eine Rettungschance besteht. Falls ja beim vorherigen Punkt ansetzen.
Andernfalls nicht zögern, den Austritt eines Mitglieds oder die Auflösung der Gemeinschaft anzupacken. Dazu empfiehlt sich der Beizug einer Fachberatung, denn gerade bei der vorzeitigen Auflösung ist Fairness und Klarheit unter den Partner/innen oberstes Gebot. Oft braucht es dazu die Unterstützung sowohl einer Moderatorin/eines Coaches wie auch eine Treuhänderin/eines Betriebswirtschaftsberaters. Diese Investition lohnt sich aber auf jeden Fall. Denn ein chaotisches Ende, das sich unter Streitigkeiten hinzieht, wird nicht nur deutlich mehr kosten, sondern auch tiefe emotionale Wunden hinterlassen.

Auch bei der Auflösung dem Programm der Fachberatung konstruktiv folgen und die beschlossenen Massnahmen und Aufgaben ernsthaft und speditiv umsetzen. Wird die Auflösung einer Kooperation sauber und zügig angepackt, können sich die ehemaligen Partner/innen viel schneller wieder auf die eigenen Beine stellen und ihre Zukunft unbelastet neu gestalten.

 Häufig gestellte Fragen

Wieviele Buchhaltungen sind nach der Errichtung einer Betriebszweiggemeinschaft zu führen?2020-09-21T05:41:43+01:00

Grundsätzlich müssen Betriebszweiggemeinschaften von den zuständigen kantonalen Behörden anerkannt werden. Dazu muss vorgewiesen werden, dass für die Betriebszweiggemeinschaft eine separate Buchhaltung geführt wird. Ausserdem muss jeder Gesellschafter für seine nicht in der BZG geführten Betriebsteile eine Buchhaltung führen. Somit werden im Falle einer Betriebszweiggemeinschaft mit 2 Gesellschaftern mindestens 3 Buchhaltungen geführt. Eine Betriebszweiggemeinschaftsbuchhaltung und je eine Betriebsbuchhaltung der beiden Gesellschafter.

Wie wird meine Mitarbeit in der Betriebszweiggemeinschaft abgegolten?2020-11-18T11:15:08+01:00

Im Grundsatz partizipieren alle Gesellschafter am Gewinn, resp. am Verlust der Betriebszweiggemeinschaft. Am Ende eines Geschäftsjahres wird der Gewinn eruiert und zum Beispiel anhand der geleisteten Arbeitseinheiten an die Gesellschafter zugewiesen. Die genaue Aufteilung des Einkommens wird im Vertrag geregelt. Die Gesellschafter können selber definieren, ob sie als massgebendes Aufteilungsmass Arbeitsstunden oder Tage erfassen, oder ob sie einen fixen Teilungsschlüssel wählen. Wird die Gewinnaufteilung nach geleisteten Arbeitseinheiten festgelegt, sind entsprechend die Arbeitseinheiten von allen Beteiligten zu rapportieren.

Wir errichten eine Betriebszweiggemeinschaft für die gemeinsame Milchviehhaltung. Welche betrieblichen Bestandteile sollen über die BZG abgerechnet werden?2020-12-04T10:16:40+01:00

Es empfiehlt sich alle mit der Milchwirtschaft eng zusammenhängenden Betriebszweige innerhalb der BZG zu führen. Das sind in der Regel bei einem Milchwirtschaftsbetrieb die Rindviehhaltung, der Futterbau und auch die Aufzucht. Weitere Betriebszweige wie der Obstbau, die Geflügelhaltung oder der Kartoffelanbau werden im Falle einer Betriebszweiggemeinschaft Milch nicht miteinbezogen.

Praxisbeispiele

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