Gesamtmelioration – Alle Praxisbeispiele (PDF)

Die Gemeinde Flach hat 1360 Einwohnerinnen und Einwohner sowie 600 ha landwirtschaftlich nutzbare Fläche. Davon waren 395 ha im Beizugsgebiet enthalten, bewirtschaftet von zehn Vollerwerbs- und Nebenerwerbsbetrieben. Zusätzlich gab es auch noch Flächen ausserhalb des Beizugsgebietes, welche ebenfalls von den Landwirtinnen und Landwirten bewirtschaftet wurden.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurden erste Meliorationsmassnahmen in Flaacherfeld durchgeführt, um die Ebene zu entwässern. Im Jahre 1926 wurde eine Genossenschaft gegründet, die parallel zum Rhein verlaufende Rheingräben erstellte und so zusätzliche 30 ha entwässern konnte. In den Dreissigerjahren kam es jedoch vermehrt zu Beschwerden seitens der Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter, da diese mehr und mehr mit Versumpfung zu kämpfen hatten. 1942 wurde daher eine Melioration Flaach durchgeführt und 1956 beendet. Dabei wurde auch das Grundeigentum zusammengelegt und arrondiert, das Wegnetz neu erstellt sowie die bestehenden Drainagegebiete ergänzt und erweitert.

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2007 bestand erneut Änderungsbedarf am Wegnetz, da dieses durch die Einführung des 40-Tonnen-Limits für Lastwägen sowie schwereren Landwirtschaftsmaschinen nicht mehr genug Tragfähigkeit besass und da ein grosser Teil der Strassen erhebliche Schäden aufwies. Zudem kam es vor allem in tiefer gelegenen Gebieten teilweise zu übermässiger Nässe und entsprechenden Schäden an den Ackerkulturen. Auch Entwässerungsanlagen und –pumpen mussten dringend erneuert sowie weitere Aspekte wie Freizeit- und Sportaktivitäten oder ökologische Anliegen berücksichtigt werden. Aus diesen Gründen wurde einer erneuten Gesamtmelioration in der Eigentümerversammlung vom 7. Mai 2008 zugestimmt.

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Da Verbesserungen an der Arrondierung der Flächen bereits in vergangenen Meliorationsmassnahmen vorgenommen wurden, waren zu Beginn des Verfahrens keine Neuzuteilungen geplant. Durch die Neuanlage des Wegnetzes, neue Naturschutzauflagen, sowie veränderte Neuzuteilungswünsche der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer kam es schliesslich aber doch zu einer Neueinteilung des Grundeigentums. Diese Güterzusammenlegung erfolgte zusammen mit einer amtlichen Vermessung. Das Wegnetz, welches in der Gesamtmelioration vereinbart wurde, ist in der Abbildung «Wegnetz Gesamtmelioration Flaacherfeld» ersichtlich.

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Folgende Massnahmen und Änderungen des Wegnetzes wurden vom Genossenschaftsvorstand im Rahmen der Gesamtmelioration genehmigt:

  • Anschluss aller Siedlungen in Flaacherfeld an eine 40-Tonnen Belagstrasse.
  • Anschluss der «Haupterschliessung» im Westen und im Osten an das übergeordnete Strassennetz.
  • Entlastung des Dorfzentrums vom landwirtschaftlichen Verkehr und vom übrigen Schwerverkehr zu den Siedlungen.
  • Entflechtung des Langsamverkehrs (Fahrradfahrer, Fussgänger) vom übrigen Verkehr.

Vom September 2014 bis Mai 2017 wurden insgesamt 4300 Laufmeter Belagstrassen neu erstellt, 5850 Meter Belagstrassen saniert, 4300 Meter Kieswege neu erstellt, 10 200 Meter Kieswege saniert, 6900 Meter alte Güterwege rekultiviert und 1800 Meter Strassenentwässerung verlegt. Vollständig ersetzt werden aufgrund ihres schlechten Zustandes mussten zwei Brücken an der Zufahrtsstrasse zum örtlichen Campingplatz. Die dritte Brücke genügte den statischen Anforderungen und konnte daher mittels Betonsanierung einer Nutzungsverlängerung unterzogen werden.

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Von Frühjahr bis Ende 2013 wurden das stark beschädigte Hauptleitungsnetz und das Entwässerungspumpwerk aus vorhergegangenen Meliorationen komplett ersetzt. Anschliessend erfolgte die etappenweise vorgenommene Neuverlegung der Haupt- und Saugerleitungen, während der eine grosse Menge an sandigem Thursediment anfiel. Dieses Sediment wiederum konnte für die Bodenverbesserungsmassnahmen in Flaacherfeld verwendet werden. Das sandige Material wurde den Böden beigemischt und machte diese so durchlässiger. Zudem vergrösserte sich durch die Aufschüttungen der Böden der Abstand zum Grundwasser, wodurch übermässige Nässe in vielen Gebieten entgegengewirkt werden konnte.

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Da einige Bewässerungskanäle entlang der Thur während der Melioration entfielen, wurde als Ersatz eine neue Anlage gemeinsam durch zwölf Grundeigentümer im nördlichen Teil des Flaacherfelds gebaut. Die Anlage enthielt ein neues Rheinwasserpumpwerk mit zwei Pumpen und einer Förderleistung von 1650 l/min sowie 4.3 Kilometer neu erstellte Verteilleitungen, die mit dem bestehenden Netz verbunden wurden. Mit Hilfe dieser gemeinschaftlich gebauten Anlage konnten rund 70 ha bewässert werden.

Insgesamt hat sich die Gesamtmelioration für das Flaacherfeld sehr gelohnt und bessere Bewirtschaftungsmöglichkeiten geschaffen sowie Nässeschäden an den Ackerkulturen reduziert. Der Unterhalt der Enwässerungsanlagen, Strassen und anderen Bauwerke wird jedoch auch in Zukunft eine Herausforderung bleiben.

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