Übersicht der drei Pärke aus der Vorstudie (rot markiert). Alle Schweizer Pärke finden Sie auch auf parks.swiss.

Überblick

Im Rahmen einer Vorstudie (2018/2019) wurden Grundlagen erarbeitet, die es ermöglichen, besser zu verstehen …

  • wie die landwirtschaftliche Bevölkerung Pärken gegenüber eingestellt ist,
  • wie ihre Bereitschaft ist, in einem Naturpark mitzuwirken, sowie
  • welche Erwartungen sie an einen Park hat.

Dafür wurden in den drei Naturpärken Landschaftspark Binntal, Naturpark Gantrisch und Regionaler Naturpark Schaffhausen eine Online-Umfrage mit 509 Teilnehmenden sowie Leitfadeninterviews mit ausgewählten Akteurinnen und Akteuren aus dem Parkmanagement, der landwirtschaftlichen Beratung und der Bevölkerung durchgeführt.
Die Ergebnisse bieten einen guten Überblick über die aktuelle Beteiligung der Landwirtschaft, ihre Einstellungen und Einschätzungen sowie mögliche Handlungsfelder.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Die landwirtschaftliche Bevölkerung beteiligt sich am häufigsten an Vernetzungs- und Landschaftsqualitätsprojekten.
  • Sie wünscht sich Parkaktivitäten, die den Absatz von regionalen landwirtschaftlichen Produkten fördern und kann vor allem über solche Projekte für ein Engagement im Park überzeugt werden.
  • Das Naturparkprodukte-Label wird als Chance für die Vermarktung gesehen. Die Betriebe wünschen sich aber auch einen vereinfachten Zugang dazu.
  • Den Nutzen eines Parks für die Landwirtschaft schätzt diese nicht sehr hoch ein. Ausnahme sind Betriebe mit viel Direktvermarktung, welche wiederum häufig kaum auf Unterstützung angewiesen sind.
  • In kleineren Pärken ist es für das Parkmanagement einfacher, die landwirtschaftliche Bevölkerung zu erreichen («man kennt sich»).
  • Personen, die Parkaktivitäten nutzen, sind diesem gegenüber tendenziell positiver eingestellt.
  • Demgegenüber hängt die Einstellung zu Natur- und Umweltschutz nicht mit der Nutzung von Parkaktivitäten zusammen.
  • Landwirtschaftliche Betriebe im Haupterwerb und in der Bergzone nutzen Parkaktivitäten tendenziell etwas häufiger als Nebenerwerbsbetriebe und Betriebe in den Tal- und Hügelzonen.
  • Seitens des Parkmanagements braucht es ein hohes Engagement und viel Kommunikationsarbeit, um die landwirtschaftliche Bevölkerung für Parkaktivitäten zu begeistern. Diese empfindet «ihren» Naturpark teilweise als etwas Neues, der Region Fremdes und hat wenig zeitliche Ressourcen, sich zu informieren und engagieren.
  • Erfolgreiche Projekte mit einzelnen Betrieben sind wichtig, um weitere Personen aus der Landwirtschaft für den Park zu begeistern.

Studie

Trachsel, S., Göpfert, R., Koster, B., Moser, R., Mettler, D., Reutz, B. (2020)
AgriPark: Grundlagen für eine erfolgreiche Einbindung der Landwirtschaft in Regionalen Naturpärken.
Ergebnisse aus einer standardisierten Online-Befragung der landwirtschaftlichen Bevölkerung und Leitfadeninterviews in drei Naturpärken – Landschaftspark Binntal, Naturpark Gantrisch, Regionaler Naturpark Schaffhausen.
Wädenswil: ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. https://doi.org/10.21256/zhaw-22946.

Zur Studie

Handlungsfelder für eine bessere Einbindung der Landwirtschaft in regionale Naturpärke

Nähe schaffen und Bedürfnisse kennen

Je nach Park und auch innerhalb der Pärke sind die Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Bevölkerung unterschiedlich. Die Parkleitung muss die Bedürfnisse gut kennen, um auf die Landwirtinnen und Landwirte zugehen zu können. Dazu eignen sich partizipative Prozesse, um Projekte zu entwickeln, und die Kontaktpflege mit der landwirtschaftlichen Bevölkerung im Park sowie ihrer Einbindung in die Parkaktivitäten.
In kleinen Naturpärken nutzen eher mehr landwirtschaftliche Betriebe die Aktivitäten des Parks. Dies könnte daran liegen, dass sich die landwirtschaftliche Bevölkerung und die Parkverantwortlichen besser kennen. Geringe räumliche Distanzen vereinfachen den Informationsfluss und die Kontaktpflege. Gegenseitige Kontakte verhindern, dass die Parkverantwortlichen in erster Linie als «Auswärtige» empfunden werden. Sie fördern das gegenseitige Vertrauen, eine positive Einstellung gegenüber den Pärken und somit auch die Zusammenarbeit. Setzt sich das Parkmanagement spürbar für die Bevölkerung ein, motiviert dies die landwirtschaftliche Bevölkerung, bei Parkaktivitäten mitzuwirken.
Grössere Pärke könnten insbesondere darauf achten, dass sie mit bewusst geplanten «Parkaktivitäten» in bestimmten Gemeinden/Regionen (z.B. an den Parkrändern, wo wenige Interaktionen mit der Landwirtschaft bestehen), mehr Nähe zur landwirtschaftlichen Bevölkerung schaffen. Auch bestehende Arbeitskreise, die Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Organisationen oder ein regelmässiger Austausch könnten dafür genutzt werden.
Der Aufbau einer Vertrauensbasis zwischen Parkmanagement und landwirtschaftlicher Bevölkerung kann zusätzlich erleichtert werden, wenn im Parkmanagement auch Personen aus der Region und / oder mit guten Kenntnissen der Landwirtschaft vertreten sind.

Beispiel: Naturpark Gantrisch, der mit dem Inforama zusammen Kurse und Infoabende durchführt, Arbeitskreise plant und landwirtschaftsaffine Personen im Parkmanagement hat.

Regionale Wertschöpfungsketten fördern

Die Landwirtinnen und Landwirte sehen eine wichtige Rolle des Naturparks als Vermittler und Vernetzer für die Erschliessung neuer Absatzkanäle. Sie erhoffen sich vom Park neue Absatzmöglichkeiten, allenfalls einen besseren Absatzpreis und die Schaffung regionaler Wertschöpfungsketten. Einige der Befragten sahen noch viel Potential bei der Zusammenarbeit mit den gastronomischen Betrieben in den Pärken.
Die Parkaktivitäten zur Förderung und Vermarktung regionaler Produkte sollten mit bestehenden Vermarktungsorganisationen und Strukturen abgestimmt werden, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Das erhöht das Vertrauen in das Parkmanagement und trägt dazu bei, Mittel möglichst effektiv einzusetzen. Pärke sollten daher ihre strategischen Ziele im Bereich Landwirtschaft mit andern Initiativen in der Region, mit den landwirtschaftlichen Verbänden bzw. der landwirtschaftlichen Beratung und dem Kanton abgleichen bzw. gemeinsam entwickeln.

Ein Beispiel dazu ist das Umsetzungsprogramm «Lebensmittel- und Agrartourismussektor: Kleine und mittlere regionale Unternehmen» 2018-2021 («Filière Alimentaire et Agritourisme: Petites et moyennes entreprises régionales» 2018-2021) der Fondation Rurale Interjurassienne (FRIJ).

Vermarktung Produkte & Dienstleistungen der Landwirtschaft

Sowohl das Parkmanagement als auch die Landwirtschaft sahen noch Potenzial bei der Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen der Landwirtschaft. Das Naturparkprodukte-Label wird in diesem Zusammenhang kontrovers diskutiert. Grundsätzlich befürworten dieses viele, allerdings wurden auch häufig Hürden bei der Umsetzung erwähnt. Insbesondere braucht es Lösungen für kleine Pärke, die aufgrund ihres kleinen Perimeters nur eine kleine Produktpalette anbieten und oft auch die Anforderungen des Produktelabels nicht einhalten können. Aus Sicht der Landwirtschaft wird daher häufig gefordert, Vermarktungsmöglichkeiten für Produkte zu schaffen, die den Anforderungen des Produktelabels nicht genügen, damit ein grösserer Teil der landwirtschaftlichen Bevölkerung davon profitieren kann.

Zudem scheint es mancherorts wichtig, Parkaktivitäten zur Vermarktung regionaler Produkte mit bestehenden Vermarktungsorganisationen und Strukturen abzustimmen und mit den jeweiligen Akteurinnen und Akteuren die Aufgabenteilung zu klären.

Landwirtschaftliche Förderinstrumente nutzen

Allgemein wird der Nutzen eines Naturparks für die Landwirtschaft im Park und auch für den eigenen Betrieb eher tief eingeschätzt. Das könnte daran liegen, dass für die Landwirtinnen und Landwirte Direktzahlungen und landwirtschaftliche Förderung im Vergleich zu einem Naturpark einen offensichtlicheren und direkteren Nutzen darstellen. Ein  konkret ersichtlicher Nutzen scheint wichtig zu sein, damit Landwirtinnen und Landwirte vermehrt die Zusammenarbeit mit den Pärken suchen. Dies bestätigt sich u.a. darin, dass landwirtschaftliche Betriebe eher Parkaktivitäten nutzen, bei denen die Direktzahlungen einen geringeren Anteil des Haushaltseinkommens ausmachen.

In allen drei untersuchten Pärken wurden mehrheitlich die Vernetzungs- und Landschaftsqualitätsprojekte von den landwirtschaftlichen Betrieben in den Pärken genutzt. Diese bringen den Betrieben einen direkten finanziellen Vorteil und sind mit dem Direktzahlungssystem verknüpft.

Landwirtschaftliche Förderinstrumente wie PRE (Projekte regionaler Entwicklung), QunaV und AgriQNet bekannt zu machen bzw. zu nutzen, um die landwirtschaftliche Bevölkerung erfolgreicher in die Parkaktivitäten einzubinden, könnte daher ein lohnender Weg für Pärke sein. Sie könnten sich unterstützend einbringen, indem sie Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten schaffen, oder bei der Umsetzung vernetzend oder beratend zur Seite stehen. Auch eine Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Beratung und mit anderen Akteurinnen und Akteuren ist in diesem Zusammenhang wichtig.

Beispiele hierfür wären:

Kommunikation nach innen und aussen noch verstärken

Der Wissensstand über den Park ist eher tief. Die Selbsteinschätzung und die Einschätzung durch Parkverantwortliche zeigen, dass grössere Teile der landwirtschaftlichen Bevölkerung nicht sehr gut über ihren Park und seine Aktivitäten informiert sind. Dies kann zum Teil zu falschen Erwartungen an den Naturpark führen. Daraus ergeben sich zwangsläufig Enttäuschungen und als Folge Gleichgültigkeit oder eine kritische Haltung dem Park gegenüber.

Informiert zu sein, auch über die Möglichkeiten mitzumachen, scheint wichtig zu sein, um mehr Nähe zwischen Naturparkmanagement und landwirtschaftlicher Bevölkerung zu schaffen. Dies selbst dann, wenn diese Möglichkeiten schlussendlich nicht genutzt werden. Ein Ansatzpunkt ist daher, Partizipations- und Entwicklungsmöglichkeiten entsprechend zu kommunizieren und zu klären, welche Informationen der landwirtschaftlichen Bevölkerung in einem Park (oder Teilgruppen innerhalb der landwirtschaftlichen Bevölkerung) besser vermittelt werden könnten. Zudem sollte geklärt und entsprechend mitgeteilt werden, was in den Aufgabenbereich eines Parks fällt und wofür andere Akteurinnen und Akteure in der Region zuständig sind.

Partizipation ausbauen (Netzwerk und strukturelle Einbindung)

Neben der Einbindung der Landwirtschaft in die Organe der Pärke helfen Arbeitsgruppen, die sich speziell an die landwirtschaftliche Bevölkerung richten. Auch die Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Vereinen in der Region ist ein Weg, um die Landwirtschaft besser in den Park zu integrieren.
Auf Projektbasis wünscht sich die landwirtschaftliche Bevölkerung eine aktivere Zusammenarbeit mit den Pärken. Mit geeigneten partizipativen Prozessen und Strukturen soll die landwirtschaftliche Bevölkerung, die wenig zeitliche Ressourcen zur Verfügung hat, besser in Parkaktivitäten eingebunden werden.
Schlüsselpersonen und Vorreiter-Betriebe sind wichtig, um grössere Teile der landwirtschaftlichen Bevölkerung für Parkaktivitäten zu gewinnen und für den Park zu begeistern. Parkmanagements können gezielt solche Personen und Betriebe angehen und sie dabei unterstützen, ihre Erfahrungen möglichst breit in der landwirtschaftlichen Bevölkerung bekannt zu machen.