Swissflax
Die 2014 gegründete Swissflax GmbH hat dem Flachsanbau in der Schweiz eine neue Dynamik verliehen und den Anbau dieser traditionellen Kultur im Emmental – einst wichtiges Anbaugebiet für Flachs – neu lanciert. Die Swissflax GmbH kauft Produzenten das Flachsstroh und den Leinsamen ab Feld ab und kümmert sich um die Weiterverarbeitung zu Garn oder Stoff und dessen Verkauf.
Dieses Portrait spiegelt die Situation von Swissflax im Juni 2025 wider.
Drei Schlüsselelemente des Projekts
- Faire Entschädigung: Durch das Qualitätszahlungssystem erhalten die Produzent/innen eine Grundpau-schale von 2000 Franken pro ha und einen Beitrag pro Dezitonne geröstetes Flachsstroh zwischen 28 und 32 Franken. Zusätzlich wird ein Qualitätsbeitrag von Fr. 0.05 pro Dezitonne Flachsstroh mit einem Langfa-seranteil von über 22% ausbezahlt. Das System baut explizit auf Bonus (Prämie für gute Qualität) und nicht auf Malus (Abzug für mangelhafte Qualität) auf.
- Effiziente und nachhaltige Produktion: Der Flachs von Swissflax wird sowohl für die Gewinnung von Samen als auch für die Fasern verwendet. Ausserdem ist Flachs eine Ressourceneffiziente Textilpflanze und trägt mit seinen blauen Blüten im Juni zur Agrobiodiversität bei.
- Wiederbelebung der Textilverarbeitung: Flachs war lange eine wichtige Kulturpflanze in der Schweiz mit entsprechender Verarbeitung. Swissflax baut auf starken Partnerschaften mit der Textilverarabeitung auf und hat das Endprodukt im Fokus.
Steckbrief
Name
SwissFlax
Ort
Willadingen BE
Rechtsform
GmbH

Wertschöpfungskette/Produkte
Flachs
Produzent/-innen
2 Landwirtschaftsbetriebe
Mitarbeitende
Geschäftsstelle: 1 Person
Webseite
https://swissflax.ch/
Entstehung
Im Jahr 2010 hat eine Gruppe von Landwirten im Emmental wieder für den Anbau von Faserleinanbau interessiert. Anfänglich wurde dies über einen Verein (IG Niutex) gemacht. Dort hat man neben dem Flachs auch mit Brennesseln und Hanf experimentiert. Beim Flachs wurde das grösste Potenzial erkannt, da noch eine Wertschöpfungskette im europäischen Raum bestand. Die HAFL hat damals das Projekt mit verschiedenen Studierendenarbeiten mitbetreut. Im Jahr 2014 wurde mit den anbauenden Landwirten, einem Textilindustriellen, einem Ingenieur und einem Agronomen die Swissflax GmbH gegründet, um den Flachsanbau und dessen Weiterverarbeitung kommerziell zu betreiben. Dies mit dem Ziel, das Anbaupotenzial von Flachs im Emmental zu nutzen. Weiter wurden verschiedene Arbeiten an der HAFL zu diesem Thema ausgeschrieben wie z.B. wurde in Zollikofen BE einen Feldversuch mit zehn verschiedenen Sorten angelegt, gestützt auf den Sortenkatalog des französischen Forschungsinstitutes Arvalis um die beste Flachssorte für den Anbau in der Schweiz zu finden.
Gründung
2014
- Gründung Swissflax GmbH
Geschäftsmodell
Der Flachsanbau im Emmental wird durch die BZG (Betriebszweiggemeinschaft) Flachs koordiniert. Die Swissflax GmbH organisiert das Saatgut und liefert es kostenlos an die anbauenden Landwirte. Die Swissflax GmbH kauft das in Rundballen gepresste Flachsstroh und die Leinsamen von den Produzenten und kümmert sich um die Weiterverarbeitung bzw. den Verkauf.
Für die Weiterverarbeitung des Flachs gibt es bis jetzt in der Schweiz keine Infrastruktur. Die Fasern werden zum Aufschliessen nach Holland verfrachtet und in Litauen oder Polen versponnen. Die Weiterverarbeitung zu Stoffen und den Endprodukten erfolgt in der Schweiz.
Die Swissflax GmbH führt ein Garnlager und kann grössere Mengen ab Lager liefern: Leinengarn trocken gesponnen und Leinengarn nass gesponnen. Auf Wunsch kann auch gefärbt oder gezwirnt werden. Die Swissflax ist gut vernetzt in der Textillandschaft Schweiz (Bsp. Mitgliedschaft im Schweizer Textilverband SwissTextiles) und verfügt auch über ein kleines Lager an Meterware. Qualitätszahlungssystem: Dieses System sieht einen Pauschalbeitrag von 2000 Franken pro ha und einen Beitrag pro Dezitonne geröstetes Flachsstroh zwischen 28 und 32 Franken vor. Zusätzlich wird ein Qualitätsbeitrag von Fr. 0.05 pro Dezitonne Flachsstroh mit einem Langfaseranteil von über 22% ausbezahlt.
Stand der Dinge
Situation im Juni 2025
Anbaugebiet: 7.5 ha Flachs im Emmental
Produkte, die aus Flachs von Swissflax hergestellt werden:
- Hemden (Schütz Textil), 100 % Swiss made
- Diverse Kleidungsstücke (Inno Lana AG / erfolg Label)
- Vorhänge (Pfister)
- Küchentücher (Rigotex)
- Taschen und Rucksäcke (Anliker AG, Karlen Swiss, Stuned)
- Schwingerhosen am eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2025 in Mollis
- Schnüre (Meister AG)
Zusammenarbeit
Swissflax arbeite eng mit den Landwirten und Akteuren der Textilindustrie zusammen.
Aktuelle Bedürfnisse
- Keine
Zukünftige Ziele
Die Swissflax GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, die Wertschöpfungskette für Schweizer Flachs wieder aufzubauen und industriell zu betreiben. Ein langfristiges Ziel ist, den Flachsanbau auch in anderen Regionen der Schweiz aufzubauen, sofern der Absatz da ist. Möglich wäre, dass es in Zukunft verschiedene Anbau-«Hubs» gibt in unterschiedlichen Regionen der Schweiz, wo sich die Produzenten die Maschinen teilen..
Prinzipien der Agrarökologie
Von den 13 HLPE-Prinzipien sind folgende bei Swissflax hervorzuheben:
Prinzip 2 – Inputreduktion
Im Vergleich zu anderen Naturfasern ist Flachs sehr ressourceneffizient (kein Wasser, wenig Stickstoff) und passt gut in der Fruchtfolge.
Prinzip 5 – Biodiversität
Flachs ist eine blühende Kultur im Juni, eine Zeit in der sonst nur wenig blüht in den landwirtschaftlichen Feldern.
Prinzip 7 – Wirtschaftliche Diversifizierung
Der Anbau von Flachs erlaubt es den landwirtschaftlichen Betrieben, sich mit einer Kultur zu differenzieren, auch ausserhalb der Lebensmittelproduktion.
Prinzip 8 – Ko-Kreation und Austausch von Wissen
Der Austausch zwischen den Produzenten wird gefördert, um Erfahrungen und Wissen zu teilen.
Prinzip 9 – Soziale Werte und Ernährungsweisen
Flachs wurde historisch in der Schweiz angebaut und es gibt viele historische Bezüge und Sprichwörter zum Flachs: zu Faden schlagen oder Fahrt ins Blaue.
Prinzip 10 – Fairness
Swissflax hat ein Qualitätszahlungssystem, bei dem Produzenten pro Fläche und unabhängig von der Ernte einen Grundbetrag erhalten. Je nach Ernte und Qualität des Flachses werden sie zusätzlich bezahlt.
Prinzip 11 – Konnektivität
Swissflax hat ein Netzwerk, das von der Produktion über die Verarbeitung bis zur Herstellung des Endprodukts alle Akteure der Wertschöpfungskette vereint. In der Swissflax GmbH sind sowohl Akteure aus der Landwirtschaft als auch aus der Textilindustrie vereint.
Analyse
Herausforderungen
- Grösste Herausforderungen für die Verarbeitung: Kleinmengen lohnen sich fast nicht für die industrielle Verarbeitung, sie verursachen Mehrkosten und haben selten Priorität bei der Weiterverarbeitung
- Flaschenhals bei der Verarbeitung: Es gibt nur wenige Betriebe in Europa, die Flachs spinnen. Für das Nassspinnverfahren gibt es zwei Spinnereien in Europa (Italien/Litauen und Tunesien, Frankreich/Polen), ansonsten in Fernost (China und Indien).
- Markt: Schweizer Produkte konkurrenzieren mit dem Weltmarkt und sind Preisfluktuationen ausgeliefert.
- Das Preisniveau der Schweizer Produktion ist fast dreimal so hoch wie europäisches Garn, welches in China versponnen wird
- Preis: 2024 9 EUR pro kg Faser -> lohnt sich auch für Schweizer Flachs für den Verkauf in der EU (sobald der Preis über 6 EUR pro kg liegt).
- In der Schweiz kann man Fasern nicht verkaufen, nur Garn oder Stoff.
- Der Schweizer Flachs ist eine Nische im Premium-Segment: Es braucht Überzeugung der Hersteller und man muss das Produkt und die Produktionsschritte gut erklären können insbesondere auch dem Endkunden
- Klima: 2021/22/23 schlechte Jahre im Anbau (Trockenheit und Starkniederschläge)
Erfolgsfaktoren
- Swissflax hat einen klaren Unique Selling Proposition (USP)
- Starkes Netzwerk aufgebaut, in der Schweiz und in Europa
- Durchhaltewillen und kontinuierliches Nachfragen bei Abnehmern, um neuen Absatz zu öffnen
- Verständnis aufzeigen zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Textilindustrie: Anerkennung und Wertschätzung bei den Kunden
- Geschichte und Historie vom Flachs, die blauen Blumen sind optisch ansprechend. Man muss die neuen Partner aufs Feld bringen!
- Swissflax ist klein, aber es gibt ein grosses mediales Interesse (Beiträge auf SRF, Tagesschau, Einstein)
Hindernisse
- –
Unterstützung
- Zusammenarbeit mit der HAFL
- Absatzförderung Kanton Bern
Stärken
- Swissflax setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz, was es nur selten gibt in der Textilindustrie.
- Eingeschworenes Team, starke Partnerschaften
- Grosse Motivation und Engagement der involvierten Personen
- In der Schweiz gibt es im Moment keinen anderen Akteur, der Schweizer Flachs anbieten kann.
- Qualität: Swissflax kann mit seinem Schweizer Flachs qualitativ mit importiertem Flachs mithalten.
- Kompetenzen im Anbau aufgebaut
Schwächen
- Kleine Struktur
- Personengebunden, wenige Personen involviert (wenn eine Person ausfällt), Know-How und Management sind auf wenige Schultern verteilt
- Das Projekt ist sehr klein, alle arbeiten nebenamtlich dafür.
Chancen
- Entwicklung internationaler Mark: Die Preise schwanken stark je nach Ernte. Wenn sie steigen, wird Schweizer Flachs kompetitiv, wenn sie sinken, ist der Preisunterschied zu importiertem Flachs zu gross.
- Das traditionelle europäische Anbaugebiet in Frankreich hat vermehrt Probleme mit dem Klimawandel.
- Sortentests mit Winterflachs (Aussaat Oktober), Resultate stehen noch aus.
- Entwicklungen mit neuen Partnern: Material für Hangbefestigungen, Projekt EMPA zu Fasern für Verstärkung in der Bauindustrie.
Risiken
- Entwicklung internationaler Markt: die Preise schwanken stark je nach Ernte. Wenn sie steigen, wird Schweizer Flachs kompetitiv, wenn sie sinken, ist der Preisunterschied zu gross.
- Im Moment ist der Absatz eher schwierig (wirtschaftliche Situation).
- Geopolitische Lage (Zölle), Entwicklungen in China.
- Flaschenhals Spinnereien in Europa.
- Das Projekt hängt stark vom Engagement von einigen wenigen Personen ab.
Tipps
- Durchhaltewillen haben, überzeugt sein vom Produkt und sich mit dem Produkt identifizieren.
- Leidenschaft, man muss dafür brennen und darf den Aufwand nicht scheuen.
- Man muss ein klares Produkt haben, welches man zeigen kann, man kann nicht nur Idee verkaufen.
- Resilienz – wieder aufstehen, reinbeissen und nachfragen (z. B. wenn Verarbeiter sagen «das haben wir schon immer so gemacht»).
- Scheitern als möglichen Ausgang akzeptieren.
- Es braucht das nötige Umfeld, das dich unterstützt, ein Team, das dich und das Projekt “challenged”.
- Nie den Markt aus der Hand geben (Garn): im Verkauf bleiben und selber steuern, beim Preis hart bleiben, Verhandlungsgeschick, keine Schnellschlüsse.
- Marke Schützen (Die Marke Swissflax ist seit 2024 geschützt).
Impressum
Titelbild: SwissFlax GmbH
Icons Prinzipien der Agrarökologie: Agroecology Infopool 2025, Biovision
Fachliche Mitarbeit:
- Alfred Bänninger, AGRIDEA
- Franziska Hoffet, AGRIDEA
- Dominik Füglistaller, SwissFlax GmbH
Weiterführende Links:






