POT Netzwerk
Der Verein POT Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Projekten und Produzent/-innen die verschiedene Formen der gemeinschaftlichen Lebensmittelversorgung im Quartier realisieren. Das Netzwerk unterstützt neue und bestehende Lebensmittelkooperativen mit Beratung, stellt IT-Tools zur Verfügung und bringt Konsument/-innen, Lebensmittelkooperativen und landwirtschaftliche Betriebe im Raum Zürich zusammen.
Dieses Portrait spiegelt die Situation vom POT-Netzwerk im Juni 2025 wider.
Drei Schlüsselelemente des Projekts
- Solidarische Selbstorganisation der Lebensmittelversorgung: Die Mitglieder gestalten aktiv mit, entscheiden über Sortiment und Preise, und übernehmen Verantwortung für ihre Versorgung.
- Vernetzung von Stadt und Land: Das POT Netzwerk vermittelt zwischen Konsument/-innen und Produzent/-innen, fördert direkte Beziehungen und reduziert Zwischenhandel.
- Digitale Infrastruktur als Gemeingut: Das POT Netzwerk stellt Open-Source-Tools zur Verfügung, die Kooperativen bei der Verwaltung, Bestellung und Buchhaltung unterstützen
Steckbrief
Name
POT Netzwerk
Ort
Zürich
Rechtsform
Verein

Wertschöpfungskette/Produkte
- Beratung im Aufbau von Lebensmittelkooperativen
- Beziehungspflege zwischen Lebensmittelkooperativen und Produzent/-innen im Raum Zürich
- IT Lösungen für die Mitgliederverwaltung, Sammelbestellungen, Zahlungsmodalitäten, Buchhaltung
Produzent/-innen
- 11 Landwirtschaftsbetriebe:
StadtLandWinti, meh als Gmües, Biogarten Lieli, SlowGrow, Strauss BioAgrikultur, Huebhof, Gut Rheinau, Biohofwerk, Grüthof, Biohof Guyer, Hof Rinderbrunnen - 4 Verarbeitungsbetriebe:
Sundaram Biologische Backstube Sennerei Bachtel, huulu, Tofurei Engel
Mitarbeitende
Betriebsgruppe: 3 Personen
Vorstand: 5 Personen
Webseite
https://pot.ch/
Entstehung
Ausgehend von der Landwirtschaft entstand der Wunsch, direkter mit Konsument/-innen in Beziehung zu treten . Einerseits, um Konsument/-innen die landwirtschaftlichen Arbeits- und Anbau-Realitäten zu vermitteln, andererseits um mehr Wertschöpfung in der Landwirtschaft zu behalten. Julia Huber, damals im Gemüseanbau tätig, entwickelte gemeinsam mit David Jacobsen vom Gut Rheinau und dem BachserMärt-Team rund um Patrick Honauer die Idee eines Mitgliederladens.
Ziel war es, eine neue Form der Solidarischen Landwirtschaft zu schaffen, bei der die Mitglieder selbst wählen können, welche Produkte sie beziehen möchten, ohne jegliche Verpflichtung der Mitarbeit auf dem Hof. Überschüssige Lebensmittel sollten in der hauseigenen Verarbeitungsküche zu Konserven weiterverarbeitet oder im angeschlossenen Restaurant als Gerichte angeboten werden.
2019 wurde diese Idee im Zürcher Triemli als Pilotprojekt umgesetzt. Dabei zeigte sich:
- Der Aufbau eines Ladenlokals und einer Verarbeitungsküche erfordert hohe Investitionen.
Als nicht gewinnorientiertes Gemeinschaftsprojekt war es nicht möglich die Gewerbemiete zu finanzieren. Daraufhin richtete das Projektteam den Fokus neu aus. Statt selbst neue Projekte aufzubauen, wollten sie bestehende Initiativen der gemeinschaftlichen Nahrungsmittelbeschaffung stärken und unterstützen. Interessierte Gemeinschaften sollen sich mit möglichst geringem Aufwand und niedrigen Einstiegshürden direkt von landwirtschaftlichen Betrieben versorgen können.
Gleichzeitig war es ein Anliegen für Landwirtschaftliche Betriebe direkte Absatzmöglichkeiten zu schaffen, in der weniger Aufwand als in der Direktvermarktung anfällt.
Mit Tobias Zimmermann, Mitinitiant des «Neuen Food Depot» und Gründer mehrerer Foodkooperativen, stiess eine weitere Person zum Projektteam. Er entwickelte ein Open-Source-Tool, das den Prozess der Sammelbestellungen und die Mitgliederverwaltung vereinfachen sollte.
Der Verein «POT Netzwerk» wurde gegründet, das Open-Source-Tool weiterentwickelt und die Beratungstätigkeit und Unterstützung von Lebensmittelkooperativen aufgenommen.
Schliesslich kam Janine Finger hinzu, die das operative Kernteam des POT Netzwerks vervollständigte. Sie brachte wertvolle Erfahrungen aus ihrer Arbeit bei Grassrooted sowie aus dem Aufbau von rampe21 mit ein – heute als rampe5 bekannt.
Kristallisierung
Ein zentrales Ziel wurde es, bestehende Projekte im Raum Zürich stärker miteinander zu vernetzen. Dabei sollte sichtbar werden, wo gemeinsame Bedürfnisse und Herausforderungen liegen und wo einzelne Projekte alleine nicht weiterkommen. Der daraus resultierende Netzwerkeffekt, stärkt alle Beteiligten und vermeidet Doppelspurigkeit.
Gründung
2019
- Gründung der ersten zwei POT auf dem Fogo-Areal in Altstetten und im Zürcher Triemli Quartier
2022
- Finanzierungsanschub der Stadt Zürich zur Gründung von «10 Lebensmitteldepots POT für Zürich»
2023
- Weiterentwicklung zum Verein “POT Netzwerk“Aufbau des Open Source Plugins für Sammelbestellungen, Mitgliederverwaltung, Zahlungsmodalitäten und Buchhaltung
2024
- Erfolgreiches Crowdfunding «bodenwirksam essen»
- Projektunterstützung durch das Stadt-Zürcher Förderprogramm KlimUp
- Entwicklung und Einführung der POT Sortimentsdatenbank zur zentralen Verwaltung von Produktinformationen
- Tavolata auf dem Huebhof, Öffentlichkeitsarbeit an den Tage der Agrarökologie
2025
- Start Logistik-Pilot-Projekt für die direkte Lieferungen von Frischprodukten
Geschäftsmodell
Das POT Netzwerk vermarktet keine eigenen Produkte, sondern versteht sich als brückenbauende Struktur. In seiner Rolle als Facilitator, nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“, begleitet es interessierte Gemeinschaften und Einzelpersonen beim Aufbau einer solidarischen, gemeinschaftlich organisierten Lebensmittelversorgung.
Unsere Vision ist es, dass sich überall Gemeinschaften mit Landwirt/-innen zusammenschliessen können und eine direkte und effiziente Abnahmestruktur aufbauen können. Uns war es immer wichtig, dass die Projekte nicht abhängig von uns sind, sondern dass wir sie ermöglichen können
Julia Huber, Betriebsgruppe POT Netzwerk
POT Gründungsberatung
Die Betriebsgruppe vom POT Netzwerk berät und begleitet Gruppen oder Einzelpersonen, die in ihrem Quartier eine eigene Lebensmittelkooperative gründen möchten. Dazu gehören:
- Bedarfsabklärung,
- Wahl des passenden POT Modells,
- Vorstellen von Landwirtschaftlichen Betrieben in der Umgebung und Sortimentsberatung,
- Gründung und Betriebsplanung,
- Unterstützung bei der Softwareeinrichtung
- sowie Begleitung bei der Betriebsaufnahme und
- Evaluation.
Wir sind zunächst auf die Konsument/-innen Seite ausgerichtet. Wir unterstützen die Leute, in Beziehung mit den Landwirt/-innen zu treten. Vereinzelt sind es auch Landwirt/-innen selbst, die eine Lebensmittelkooperative als direkte Abnahmestruktur für ihre Produkte aufbauen wollen. Weitere Beratungen für Landwirt/-innen bieten wir jedoch nicht an.
Julia Huber, Betriebsgruppe POT Netzwerk
POT Plugin
Zur Verwaltung einer Lebensmittelkooperative stellt das POT Netzwerk ein Open Source Plugin zur Verfügung, das in WordPress zusammen mit WooCommerce implementiert werden kann. Die zusätzlichen Funktionen umfassen:
- Sammelbestellungen,
- Guthaben Management,
- Produkteverwaltung,
- Mitgliederverwaltung,
- Buchhaltung,
- Selfcheckout.
POT Sortimentsdatenbank
Diese Datenbank soll einen zentralen Ort bieten, an dem Produzent/-innen Informationen zu ihrem Betrieb und ihren Produkten aufschalten können. Foodcoop’s und deren Konsument/-innen erhalten damit mehr Transparenz zur Preisgestaltung der Produkte, die sie beziehen und dem Impact dieser Produkte auf soziale und ökologische Aspekte. Jedes Produkt und der dahinterstehende Produktionsbetrieb erhalten eine eigene POT ID, die für Kunden und Kundinnen über Web-Links oder QR-Codes abrufbar ist. Die Datenbank befindet sich noch im Aufbau.
Vernetzung
Einzelne Foodcoop’s gibt es an vielen Orten. Vernetzung untereinander, wo gemeinsam Lösungen erarbeitet werden können, ist schon hilfreich.
Julia Huber, Betriebsgruppe POT Netzwerk
Das POT Netzwerk bringt verschiedene Initiativen zusammen, um den Austausch und das gegenseitige Lernen zu fördern. Durch gemeinsame Treffen, Workshops und digitale Plattformen werden Erfahrungen, Wissen und bewährte Strukturen geteilt, sodass tragfähige Alternativen zur herkömmlichen Lebensmittelvermarktung entstehen.
Ein zentrales Ziel ist der Aufbau fairer, nachhaltiger Beziehungen zwischen Konsument/-innen und Produzent/-innen: Solidarische Abnahmegruppen entlasten landwirtschaftliche Betriebe, reduzieren Vermarktungsaufwand und ermöglichen faire Löhne sowie ökologische Wirtschaftsweisen.
Gleichzeitig unterstützt das Netzwerk Konsument/-innen dabei, eine aktive Rolle einzunehmen. Durch Hofbesuche, Workshops und Öffentlichkeitsarbeit vermittelt das Netzwerk Wissen über Landwirtschaft, Ernährung und ökologische Zusammenhänge. So entsteht mehr Verständnis für die Bedingungen in der Landwirtschaft und eine stärkere Motivation, sich solidarisch und bewusst an der Lebensmittelversorgung zu beteiligen.
Stand der Dinge
Situation im Juni 2025
- Das POT Netzwerk produziert und vertreibt keine eigenen Rohstoffe. Jeder Lebensmittelkooperative steht es frei, welche Produkte sie ihren Mitgliedern zur Verfügung stellen.
- Auf der POT Sortimentsdatenbank sind insgesamt 7 Produzent/-innen und Lieferant/-innen im Raum Zürich gelistet.
- 18 Kooperativen von einfachen Foodcoops über Lebensmitteldepots bis komplexe Mitgliederläden profitierten von der Beratung des POT Netzwerks. Neben Zürcher Projekten auch Kooperativen in den Kantonen Graubünden, Bern, St. Gallen und Schaffhausen.
- 17 Kooperativen benutzen schweizweit das POT Plugin.
Zusammenarbeit
Das Netzwerk strebt eine enge Zusammenarbeit mit Lebensmittelkooperativen und ihren Mitgliedern, ökologisch wirtschaftenden Landwirtschaftsbetrieben sowie kleinen Verarbeitungsbetrieben an. Darüber hinaus arbeitet das POT Netzwerk mit der Genossenschaft Koopernikus zusammen, um gemeinsam die IT-Infrastruktur weiterzuentwickeln und eine direkte Logistik aufzubauen.
Aktuelle Bedürfnisse
- Weiterentwicklung der technischen Infrastruktur. Insbesondere die Sortimentdatenbank mit Informationen zu Produzentinnen und Produzenten sowie deren Produkten speisen. So können Lebensmittelkooperativen das Sortiment einfacher verwalten und erhalten Zugang zu umfassenden Produktinformationen.
- In Zusammenarbeit mit Partner/-innen wird eine Logistiklösung für Frischprodukte getestet, um die Produktepalette von Lebensmittelkooperativen zu erweitern.
- Einführung eines Tools zur Analyse und Darstellung der ökologischen, sozialen und regionalwirtschaftlichen Wirkung der Betriebe, die in der Sortimentdatenbank gelistet sind. Dadurch wird die Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten erhöht und das Engagement der Betriebe hervorgehoben.
- Finanzierung der operativen Betriebsgruppe sicherstellen, um weitere Lebensmittelkooperativen im Aufbau zu unterstützen und die Netzwerkarbeit voranzutreiben.
Zukünftige Ziele
- Es sollen flächendeckende Netzwerke entstehen, damit mehr Gemeinschaften befähigt werden, sich selbst in ihrer Lebemittelversorgung zu organisieren.
- Logistik und Bestell-Plattform sollen ausserhalb vom Netzwerk verbreitet sein.
- Bestehende Mitgliederläden mit bezahlten Arbeitsplätzen sollen erhalten und Neue ins Leben gerufen werden.
- Über Gemeinden, Genossenschaften oder private Immobilienbesitzer/-innen sollen Allmendräume zur gemeinschaftlichen Lebensmittelbeschaffung verankert werden.
- Der Zugang zur solidarischen Lebensmittelversorgung soll für alle möglich sein – auch für Menschen mit geringerem Einkommen, beispielsweise durch eine soziale Lebensmittelversicherung.
- Netzwerkeffekte stärken, also bestehende Initiativen besser vernetzen und gemeinsam politische Hebelwirkungen erzeugen.
- Etablierung von HUB’s, wo Lebensmittel von verschiedenen Produzent/-innen angeliefert werden können.
Prinzipien der Agrarökologie
Das POT Netzwerk orientiert sich klar an den Prinzipien der Agrarökologie, insbesondere wie sie in urbanen Kontexten wirksam werden können. Im Fokus stehen dabei nicht nur Produktionsmethoden, sondern ebenso gerechte Verteilung, demokratische Mitbestimmung und der Austausch von Wissen.
Von den 13 HLPE-Prinzipien sind folgende beim POT Netzwerk hervorzuheben:
Prinzip 8 – Ko-Kreation und Austausch von Wissen
- Community-Plattformen: Der Erfahrungsaustausch findet über regelmässige Treffen, digitale Kommunikationskanäle und Netzwerktreffen statt, wodurch neue Lösungen kollektiv entstehen und verbreitet werden.
- Wissensaustausch und Weiterbildung: Das POT Netzwerk organisiert Workshops, Hofbesuche und Stadt-Land-Formate, bei denen Mitglieder, Produzent/-innen und Interessierte gemeinsam Wissen über Agrarökologie, nachhaltige Ernährung und regionale Wertschöpfung generieren und teilen.
- Partizipative Entwicklung von Tools: Digitale und analoge Werkzeuge wie das POT Toolkit und die Sortimentsdatenbank werden gemeinsam mit den Nutzer/-innen entwickelt und kontinuierlich verbessert. Darüber hinaus werden die Tools als Open Source zur Verfügung gestellt, um anderen Initiativen den Zugang zu erleichtern.
Prinzip 9 – Soziale Werte und Ernährungsweisen
- Förderung nachhaltiger Ernährungsweisen: Die Produktepalette der Sortimentsdatenbank fokussiert auf regionale, saisonale und biologische Grundnahrungsmittel.
- Solidarische Mitgliedermodelle: Das Netzwerk unterstützt Projekte, die nicht nur ökologisch, sondern auch sozial verantwortlich wirtschaften. Die Förderung gemeinschaftlich organisierter Versorgungsstrukturen, in Form von Lebensmittelkooperativen, zielt auf eine solidarische und bewusste Ernährungskultur ab. Es wird nicht nur konsumiert, sondern aktiv mitgestaltet.
- Bewusstseinsbildung: Durch Sensibilisierungsarbeit, Veranstaltungen und transparente Kommunikation werden soziale Werte wie Fairness, Respekt und Verantwortung gestärkt.
Prinzip 10 – Fairness
- Partizipation: Mitglieder sind aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden, was demokratische Strukturen und Gerechtigkeit innerhalb der Organisation stärkt.
- Transparente Preisgestaltung: Das POT Netzwerk fördert direkte Handelsbeziehungen zwischen Konsumierenden und Produzierenden. Dadurch wird Transparenz geschaffen und eine faire Preisgestaltung ermöglicht, die die Arbeit der Landwirt/-innen respektiert.
Prinzip 11 – Konnektivität
- Förderung von Kooperation: Durch die Vernetzung zwischen Konsument/-innen und Produzent/-innen entstehen stabile, solidarische Versorgungsstrukturen.
- Bündelung von Initiativen: Vernetzung ist ein Kernauftrag des POT Netzwerks. Es bringt bestehende und neue Projekte zusammen, um Synergien zu schaffen und Wissen zu teilen.
Analyse
Herausforderungen
- Kooperation mit Landwirtschaft: Die Zusammenarbeit mit Betrieben erfordert kontinuierliche Abstimmung, Vertrauensaufbau und flexible Anpassung an Bedürfnisse beider Seiten.
- Fehlende Infrastruktur: Nicht alle Landwirtschaftsbetriebe sind für Kleinmengen-Vertrieb ausgerichtet. Zudem fehlt es an Verarbeitungsstrukturen, die auch Kleinmengen weiterverarbeiten können.
- Mehraufwand entlang der Wertschöpfungskette: Die Verwaltung und Aktualisierung der Produktinformationen sowie die Logistik stellen Herausforderungen dar.
- Transparenz-Hürde: Die Landwirte und Landwirtinnen müssen viele Informationen zu ihrer Produktion offenlegen.
- Kapazitäten: Diese Form der alternativen Lebensmittelversorgung ist auf Freiwilligenarbeit angewiesen.
Erfolgsfaktoren
- Transparenz als Kernwert: Totale Transparenz bezüglich Preisgestaltung, sozialer und ökologischer Aspekte.
- Beziehungsarbeit: Menschen wieder miteinander in Beziehung bringen, die durch Grossverteiler getrennt wurden.
- Selbstorganisierte Lebensmittelbeschaffung: direkt, solidarisch und gemeinschaftlich.
- Vision: Lebensmittel aus Kooperativen sollen für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich sein.
Hindernisse
- Beziehungsnetz in die Landwirtschaft:
Eine weitere Knacknuss, der sich das Team vom POT Netzwerk annahm, war die Pflege direkter Beziehungen zur Landwirtschaft. Es zeigte sich, dass dieser Beziehungsaufbau für viele Projekte mit hohem Zeit- und Ressourcenaufwand verbunden ist. Aus diesem Grund greifen viele weiterhin auf Zwischenhändler zurück. Genau hier setzt das POT Netzwerk an: Es übernimmt eine vermittelnde Rolle zwischen landwirtschaftlichen Betrieben und Lebensmittelkooperativen, um stabile Beziehungen aufzubauen und direkte Versorgungswege zu fördern. - Sichtbarkeit:
Ein zentrales Ziel wurde es, bestehende Projekte im Raum Zürich stärker miteinander zu vernetzen. Dabei sollte sichtbar werden, wo gemeinsame Bedürfnisse und Herausforderungen liegen und wo einzelne Projekte alleine nicht weiterkommen. Der daraus resultierende Netzwerkeffekt, stärkt alle Beteiligten und vermeidet Doppelspurigkeit.
Unterstützung
Das POT Netzwerk lebt zu einem grossen Teil vom freiwilligen Engagement seiner Mitglieder. Die laufenden Kosten werden durch Mitgliederbeiträge, freiwillige Spenden sowie durch Gebühren für die Nutzung des POT Toolkits gedeckt. Für nicht-kommerzielle Kooperativen ist die Nutzung des Plugins ausdrücklich kostenlos.
Öffentliche Gelder erhielt das POT Netzwerk unter anderem durch Projektausschreibungen der Stadt Zürich, finanziert durch die Ausschüttung von ZKB-Dividenden sowie über das Förderprogramm KlimUp. Zusätzliche finanzielle Mittel wurden über ein Crowdfunding auf der Plattform Lokalhelden der Raiffeisenbank eingenommen.
Stärken
Starkes regionales Netzwerk und Mitgliedercommunity: 18 Lebensmittelkooperativen, 11 Landwirtschaftsbetriebe und 4 Verarbeitungsbetriebe im Raum Zürich.
Technische Innovation: Die digitalen Tools erleichtern die Administration von Lebensmittelkooperativen und sind skalierbar.
Facilitator-Rolle: „Hilfe zur Selbsthilfe“, Beratung beim Aufbau neuer Foodcoops und Vernetzung.
Schwächen
Knappe Ressourcen: Begrenzte finanzielle Mittel und viel Freiwilligenarbeit.
Begrenzte Reichweite: Das Netzwerk agiert vorwiegend im Grossraum Zürich.
Operative Herausforderungen: Bisher keine eigene Logistik-Lösung; fehlende Allmendräume; z.T. fehlende Infrastruktur zur Lagerung und Weiterverarbeitung von Kleinmengen auf Landwirtschaftlichen Betrieben
Chancen
Marktentwicklung: Wachsende Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln; Gastro-Sektor als Grossabnehmer; vielfältige Versorgungsmodelle (Sammelbestellung, Depot, Mitgliederladen).
Skalierbarkeit: Erfahrungen und Tools können auf andere Regionen übertragen werden, Netzwerkeffekt wächst mit jedem neuen Projekt.
Politischer Wille: Steigende politische Priorität für nachhaltige Ernährungssysteme.
Risiken
Langfristige Finanzierung: Abhängigkeit von Fördermittel und Spenden, keine gesicherte Finanzierung.
Strukturelle Herausforderung: Viele Foodcoops und Depotgruppen sind auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Ohne stabile finanzielle oder personelle Ressourcen droht Überlastung oder Stillstand. Zudem sind geeignete Räume (für Lagerung, Verarbeitung, Depots) knapp und teuer.
Marktzugang: Dominanz der Grossverteiler; Bequemlichkeit der Konsument/-innen; nicht für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich.
Tipps
- Klein anfangen, aber mit klarer Vision: nachhaltige Strukturen müssen von innen wachsen, brauchen Zeit, Vertrauen und eine stabile Gemeinschaft.
- Beziehungen sind zentral: egal ob zu Landwirt/-innen, Mitgliedern oder anderen Projekten. Vernetzt euch frühzeitig mit anderen, um Wissen und Ressourcen zu teilen.
- Transparenz leben: Setzt auf offene Kommunikation und klare Strukturen.
- Nutzt bestehende Tools: Greift auf das POT Toolkit und die Beratung zurück, um typische Fehler zu vermeiden und schneller handlungsfähig zu werden
- Solidarität und Partizipation: nicht nur Versorgung sichern, sondern auch Mitgestaltung ermöglichen.
Impressum
Titelbild: Julia Huber, POT Netzwerk
Icons Prinzipien der Agrarökologie: Agroecology Infopool 2025, Biovision
Fachliche Mitarbeit:
- Florian Peyer, AGRIDEA
- Julia Huber, POT Netzwerk
Weiterführende Links:



