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Agrarökologie Vermarktung

Le Franc Paysan

Der Franc Paysan entstand aus dem Wunsch heraus, die Direktvermarktung lokaler landwirtschaftlicher Produkte in der Schweiz aufzuwerten und die Kaufkraft der Konsument/-innen durch die Nutzung einer Regionalwährung zu erhöhen. Gleichzeitig soll diese Währung dazu beitragen, den Abfluss finanzieller Mittel an grosse Unternehmen und ins Ausland zu verhindern. Offiziell im November 2023 gegründet, wurden die ersten Francs Paysans im September 2024 ausgegeben.

Table of content

Dieses Portrait spiegelt die Situation vom Franc Paysan im Juni 2025 wider.

Drei Schlüsselelemente des Projekts

  1. Es handelt sich um eine lokale Währung mit klarer Ausrichtung auf die Landwirtschaft. Die Begünstigten sind die Produzent/-innen, insbesondere aus der Direktvermarktung. Dadurch wird der Konsum regionaler Produkte gestärkt und zugleich der soziale Zusammenhalt in der Region gefördert.
  2. Die Initiative baut auf Partnerschaften mit Gemeinden auf, die ihren Einwohner/-innen einen Teil des Franc Paysan finanzieren, sowie auf Kooperationen mit Unternehmen, die den Franc Paysan als Jahresprämie ohne Sozialabgaben an ihre Mitarbeitenden ausgeben. Beide Elemente tragen zur Weiterentwicklung des Modells bei und bieten den Konsument/-innen einen wirtschaftlichen Mehrwert.
  3. Der respektvolle Umgang mit Umwelt und Ressourcen ist in der Charta verankert und Ausdruck einer gemeinsamen Grundhaltung. Auch wenn dieses Prinzip nicht verpflichtend vorgeschrieben ist, prägt es die Philosophie der Initiative.

Steckbrief

Name
Le Franc Paysan

Ort
Schweiz

Rechtsform
Verein

Wertschöpfungskette/Produkte

Lokale Währung

Produzent/-innen, Partner/-innen

54 Produzent/-innen akzeptieren zurzeit den Franc Paysan

Mitarbeitende
Keine Angestellten, zukünftiges Ziel

Webseite
https://lefrancpaysan.ch/

Entstehung

Die Idee für dieses Projekt entstand bereits vor mindestens fünf Jahren. Während der COVID‑Pandemie entdeckten viele Menschen lokale Produkte wieder, unter anderem, weil sie mehr Zeit zur Verfügung hatten. Dadurch entstand eine starke Verbindung zwischen Konsument/-innen und Produzent/.innen. Nach dem Ende dieser Phase ging die Direktvermarktung jedoch deutlich zurück.

In diesem Moment entwickelte der Gründer der Vereinigung seine Idee weiter, die schliesslich im Mai 2023 in einer ersten Sitzung konkretisiert wurde.

Gründung

Der Verein wurde Ende 2023 offiziell gegründet, getragen von einer Gruppe engagierter Bürger/-innen aus unterschiedlichen Bereichen (landwirtschaftliche Produzent/-innen, Unternehmen, Biolog/-innen, Forschende und weitere Beteiligte). Vorausgegangen waren zahlreiche Austauschgespräche mit Vertreter/-innen der Landwirtschaft. Die ersten Francs Paysans wurden jedoch erst im September 2024 ausgegeben. Insgesamt zwölf Landwirtschaftsbetriebe, akzeptierten damals diese Währung.

Geschäftsmodell

Der Verein schüttet Noten des Franc Paysan (FP) in den Stückelungen 1, 5, 20 und 50 FP aus

  • Für Privatpersonen und Produzent/-innen gilt ein Wechselkurs von 1 CHF = 1 FP
  • Für Gemeinden erfolgt der Kauf der FP mit einem Zins von 2 %, der der Finanzierung des Projekts dient. Die Gemeinden geben die FP mit einem Mehrwert an ihre Einwohner/-innen weiter (zum Beispiel: Kauf von 1000 FP, Weiterverkauf an die Einwohner/-innen für 800 CHF).
  • Für Unternehmen gilt ebenfalls ein Zinssatz von 2 % beim Kauf der FP. Die FP können als jährliche Prämie von bis zu 500 CHF pro Mitarbeitenden ohne Sozialabgaben ausgegeben werden, was einen Mehrwert von rund 20 % ermöglicht
  • Für Detailhändler: Verwendung von FP zum Kauf lokaler Produkte, auch wenn die FP von Kund/-innen zum Kauf ausländischer Produkte verwendet wurden

Mitgliedschaft für Produzent/-innen:

  • Zustimmung zur Vereinscharta
  • Jahresbeitrag von 50 CHF, jedoch nur fällig, wenn FP beim Verein zurückgetauscht werden

Mitgliedschaft für Detailhändler:

  • Jahresbeitrag von 150 CHF oder Kauf von 1000 FP

Stimmrecht haben ausschliesslich die Produzent/-innen.

Stand der Dinge

Situation im Juni 2025

Derzeit befinden sich rund 35’000 Francs Paysans im Umlauf.

Umsatz: –

Teilnehmende am Projekt in der Westschweiz (mehrheitlich im Kanton Waadt) :

  • 34 Privatpersonen
  • 54 Produzent/-innen
  • 71 Verkaufsstellen
  • 9 Unternehmen
  • 3 Gemeinden

Es laufen Gespräche mit verschiedenen Unternehmen und Gemeinden. Gegenwärtig richtet sich etwa 80 % der Akquise an Produzent/-innen.

Partnerschaften

Das Projekt ist auf Kooperationen mit Gemeinden und Unternehmen angewiesen, die Francs Paysans erwerben.

Zudem müssen neue Mitglieder gefunden werden (Produzent/-innen und Händler/-innen).

Aktuelle Bedürfnisse

Derzeit gibt es keine Einnahmen, um den Betrieb der Initiative zu sichern. Für die Weiterentwicklung des Projekts in den Jahren 2025 bis 2027 werden finanzielle Mittel benötigt:

  • 60’000 CHF für die Entwicklung einer digitalen Version
  • 110’000 CHF (vor allem Personalkosten) für den Ausbau des Netzwerks: Verkaufsstellen, Partnerschaften, Veranstaltungen
  • 80’000 CHF für den Druck neuer Scheine sowie die Einrichtung eines Reservefonds, aus dem bei gezielten Kampagnen eine Mehrwertkomponente für die verteilten Francs Paysans finanziert werden kann

Zukünftige Ziele

  • 300 Produzent/-innen mit einem Jahreisbeitrag von 50.- CHF = 15’000.- CHF
  • 600 Händler/-innen mit einem Jahresbeitrag von 150.- CHF = 90’000.- oder durch den Kauf von 1000 Francs Paysans
  • 100 Unternehmen/Gemeinden mit einem jährlichen Gesamtankauf von 500’000.- Francs Paysans zu 2% Zinsen = 10’000.- CHF
  • 1 Million CHF Reservefonds mit 0,5% Zinsen = 5’000.- CHF de réserve

Insgesamt ergibt sich damit ein geschätzter Jahresertrag von rund 120’000 CHF, der als Reservefonds dient. Dieser Fonds ermöglicht es, den Konsument:innen bei besonderen Aktionen Francs Paysans zu einem Vorzugskurs anzubieten – beispielsweise 0.80 CHF für 1 FP.

Prinzipien der Agrarökologie

Der respektvolle Umgang mit Umwelt und Ressourcen ist in der Charta verankert. Aufgrund dieser Charta und der gemeinsamen Grundhaltung arbeiten die meisten Produzent/-innen mit verschiedenen Elementen der Agroökologie. Auch grössere Betriebe werden aufgenommen, sofern sie Direktvermarktung betreiben. In der Praxis handelt es sich jedoch überwiegend um kleinere Produzent/-innen.

Von den 13 HLPE-Prinzipien werden beim Le Franc Paysan insbesondere die folgenden umgesetzt:

Prinzip 10 – Fairness

Unterstützung würdiger und stabiler Einkommensmöglichkeiten für alle Akteur/-innen der Ernährungssysteme, insbesondere für Kleinproduzent/-innen, auf der Basis von fairem Handel, fairen Arbeitsbedingungen und fairem Umgang mit geistigen Eigentumsrechten.

Prinzip 11 – Konnektivität

Förderung von Nähe und Vertrauen zwischen Produzent/-innen und Konsument/-innen durch den Aufbau gerechter, kurzer Wertschöpfungs- und Vertriebswege sowie durch die Wiedereingliederung der Ernährungssysteme in die lokalen Wirtschaftsräume.

Prinzip 11 – Verwaltung von Land und natürlichen Ressourcen

Anerkennung und Unterstützung der Bedürfnisse und Interessen von Familienbetrieben, Kleinproduzent/-innen und bäuerlichen Lebensmittelerzeuger/-innen als nachhaltige Bewirtschafter/-innen und Hüter/-innen natürlicher und genetischer Ressourcen.

Analyse

Herausforderungen, Erfolgsfaktoren, Hindernisse

  • Über genügend verfügbare Zeit verfügen
  • Bekanntheit schaffen (Marketing)
  • Partner- und Mitgliedschaften ausbauen

Unterstützung

  • Star’Terre : Strukturierung, Konzeption und Austausch vielfältiger Erfahrungen

Stärken

Innovatives Konzept: Eine lokale Währung, die speziell der Landwirtschaft gewidmet ist und eine starke symbolische wie soziale Wirkung entfaltet.

Freiwilliges Engagement: Eine hohe Beteiligung der Mitglieder, die wesentlich dazu beiträgt, die Betriebskosten niedrig zu halten.

Agrarökologische Charta: Sensibilisierung für Umweltfragen sowie Unterstützung kleiner Direktvermarktungsbetriebe.

Klares Wirtschaftsmodell: Konkrete Zielsetzungen bis 2028 mit mehreren Einnahmequellen (Mitgliederbeiträge, Zinsen, Transaktionen).

Schwächen

Mangel an Digitalisierung: Der Franc Paysan existiert bislang nicht in digitaler Form (keine App, keine Karte).

Abhängigkeit vom Ehrenamt: Risiko von Ermüdung oder verlangsamter Weiterentwicklung, solange keine bezahlten Ressourcen zur Verfügung stehen.

Chancen

Geografische Ausweitung: Laufende Gespräche mit weiteren Gemeinden.

Strategische Partnerschaften: Potenzielle Zusammenarbeit mit Initiativen wie der Ernährungssicherheit Genf oder verschiedenen Klimaplänen.

Risiken

Fehlende Anfangsfinanzierung: Notwendigkeit eines Startkapitals für die nächsten Entwicklungsschritte.

Gefahr der Stagnation: Möglichkeit, dass das Projekt an Dynamik verliert, wenn der Franc Paysan nicht ausreichend zirkuliert oder wesentliche Partner/-innen nicht aktiv mitziehen.

Tipps

Impressum

Titelbild: Les billets | Le Franc Paysan

Icons Prinzipien der Agrarökologie: Agroecology Infopool 2025, Biovision

Fachliche Mitarbeit:

  • Magali Estève, AGRIDEA
  • Grégory Métrailler, AGRIDEA
  • Aurélien Roger, Le Franc Paysan

Weiterführende Links: