Klimarisiken heute und morgen

Der Klimawandel verändert die Bedingungen, unter denen Landwirtschaft betrieben wird. Ein Klimarisiko entsteht, wenn ein Klimasignal (Gefährdung) wie Hitze, Trockenheit oder Starkniederschläge auf einen exponierten und vulnerablen Betrieb trifft. Wie gross das Risiko ist, hängt von drei Faktoren ab: der Stärke der Gefährdung, der Exposition (Wie stark ist der Betrieb betroffen?) und der Vulnerabilität (Wie empfindlich ist der Betrieb und wie gut kann er sich anpassen?). Für die Schweizer Landwirtschaft zeigen sich Klimarisiken sowohl durch unmittelbare Schäden als auch durch längerfristige Veränderungen der Produktionsbedingungen.

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Langfristige und kombinierte Risiken

Klimarisiken treten oft nicht isoliert auf. Mehrere Ereignisse können gleichzeitig oder kurz nacheinander auftreten und sich gegenseitig verstärken. Dadurch können die Auswirkungen auf Kulturen, Böden und die landwirtschaftliche Produktion deutlich grösser sein als bei einzelnen Ereignissen.

Besonders relevante Risikokombinationen für die Landwirtschaft sind:

  • Hitze und Trockenheit: Diese Kombination erhöht den Wasserstress von Kulturen und kann zu erheblichen Ertrags- und Qualitätseinbussen führen.
  • Mehrere trockene Jahre hintereinander: Wiederholte Trockenheit kann Wasserreserven verringern und die langfristige Produktivität von Böden und Kulturen beeinträchtigen.
  • Starkregen nach Trockenheit: Ausgetrocknete Böden nehmen Wasser schlechter auf. Dies erhöht das Risiko von Oberflächenabfluss, Erosion und Nährstoffverlusten. Kulturen und Böden werden durch aufeinanderfolgende Extremereignisse besonders belastet. Die Widerstandsfähigkeit nimmt ab und Schäden können sich verstärken.

Bei der Beurteilung von Klimarisiken ist deshalb nicht nur das einzelne Ereignis wichtig, sondern auch das Zusammenspiel verschiedener Risiken. Mehrere aufeinanderfolgende oder gleichzeitig auftretende Ereignisse können die Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe deutlich verstärken.

Diese Übersicht stützt sich auf die Klima-Risikoanalyse für die Schweiz des Bundes (BAFU, 2025). Ergänzende landwirtschaftsspezifische Auswirkungen stammen aus der AGRIDEA-Studie «Abdeckung von Klimarisiken in der Landwirtschaft» (2025), die im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) erstellt wurde.

Ein vorausschauender Umgang mit Klimarisiken beginnt damit, die relevanten Gefahren für den eigenen Betrieb zu erkennen und ihre möglichen Folgen einzuschätzen. Darauf aufbauend können geeignete Massnahmen gewählt werden – von kurzfristigem Schutz über schrittweise Anpassungen bis hin zu einer langfristigen Neuausrichtung.

Die drei Strategien als Antwort auf einen extremen Schock nach Sylvain Pellerin, INRAE. Darstellung: Agridea

Widerstehen
Der Betrieb hält die Produktion trotz eines Extremereignisses möglichst aufrecht. Typische Massnahmen sind Bewässerung in Trockenperioden, Schattierung von Nutztieren, Frostschutzberegnung, Hagelnetze oder zusätzliche Futterreserven.

Anpassen
Der Betrieb passt seine Bewirtschaftung schrittweise an veränderte Klimabedingungen an. Beispiele sind trockenheitstolerantere Sorten, angepasste Fruchtfolgen, Humusaufbau, wassersparende Bewirtschaftung, Regenwasserspeicherung oder mehr Schattenstrukturen für Tiere.

Transformieren
Der Betrieb entwickelt seine Produktion grundlegend weiter, wenn bestehende Systeme langfristig nicht mehr ausreichend funktionieren. Beispiele sind die Umstellung auf neue Kulturen, die Verlagerung von Produktionsschwerpunkten, der Wechsel zu anderen Tierhaltungs- oder Anbausystemen oder der Aufbau neuer Betriebszweige.

Der Umgang mit Klimarisiken ist eine gemeinsame Aufgabe. Welche Akteure gefragt sind, hängt vom jeweiligen Risiko, der Tragweite des Ereignisses und den bestehenden Zuständigkeiten ab.

Je häufiger, grossflächiger oder schwerwiegender Klimarisiken werden, desto wichtiger sind die Zusammenarbeit und Koordination zwischen den verschiedenen Ebenen. Gleichzeitig steigen die Kosten für Vorsorge, Anpassung und Schadensbewältigung. Damit stellt sich zunehmend die gesellschaftliche Frage, wer welchen Anteil dieser Kosten trägt und unter welchen Voraussetzungen eine gemeinsame oder öffentliche Finanzierung angemessen ist.

  • Landwirtschaftliche Betriebe: Risiken auf dem eigenen Betrieb erkennen, geeignete Massnahmen umsetzen und die betriebliche Vorsorge stärken.
  • Forschung, Bildung und Beratung: Wissen erarbeiten, Risiken beobachten, praxistaugliche Lösungen entwickeln und Betriebe bei der Umsetzung unterstützen.
  • Verbände und Branchenorganisationen: Erfahrungen bündeln, gemeinsame Lösungen entwickeln und die Interessen der Landwirtschaft einbringen.
  • Versicherungen: geeignete Angebote zur finanziellen Absicherung entwickeln und Anreize für vorsorgliche Massnahmen schaffen.
  • Kantone und Gemeinden: regionale Risiken beurteilen, Beratung und Koordination unterstützen sowie geeignete Infrastrukturen und Rahmenbedingungen fördern.
  • Bund: übergeordnete Strategien und rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, Forschung und Wissenstransfer unterstützen und bei aussergewöhnlichen oder systemischen Risiken koordinieren.
  • Gesellschaft und Konsumierende: Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion mittragen, klimaangepasste Produkte nachfragen und sich an der gesellschaftlichen Diskussion über Ziele und Finanzierung der Klimaanpassung beteiligen.

Welche Massnahmen für einen Betrieb geeignet sind, hängt vom Standort, vom Produktionszweig und von der individuellen Ausgangslage ab. Praxisnahe Massnahmen zu den verschiedenen Klimarisiken finden Sie in der Massnahmensammlung Klima. Dort können Sie gezielt nach Risiken und Themen filtern und passende Ansätze auswählen.