1.1 Miteinander reden
Autor: Ueli Straub
«Wir haben gar nie gross darüber geredet. Es war eigentlich immer klar, dass ich den Hof übernehmen kann. Erst als der Berater fragte, wie das sei, man hätte kurz vor der Hofübergabe einen neuen Stall gebaut und wie das Wohnrecht abzugelten wäre, all diese Details eben, da gab es viel zu diskutieren. Meinem Vater ist das total verleidet. Als dann wegen der Baulandparzelle noch alle Geschwister mitreden wollten, hätte ich am liebsten den ganzen Krempel hingeschmissen.»
«Wir haben immer viel geredet. Angefangen hat es, als mein Vater 50 war, zuerst ist die Rohrmelkanlage ausgestiegen, dann entsprachen die Liegeflächen und das Güllesilo nicht mehr der Norm. Soll man investieren, nochmals neu bauen, was ist, wenn ich dann den Hof gleichwohl nicht übernehme oder dann alles ganz anders machen will? Alles hing irgendwie von mir ab. Ich hatte damals gerade erst die Lehre angefangen und noch hundert andere Sachen im Kopf. Jetzt im Nachhinein verstehe ich meine Eltern, mein Vater hätte ja damals auch noch eine Stelle auswärts gefunden.»
«Ich habe schon immer meinen eigenen Kopf gehabt und mich durchgesetzt. Das hat meinen Eltern schon ein bisschen Angst gemacht, als es um die Hofübergabe ging. Es geht ja da auch um das Wohnrecht und die Altersabsicherung. Wenn da eine Generation nur auf ihren Vorteil aus ist, dann geht das nicht. Wir haben das jetzt so gelöst, dass ich mit meiner Familie im Dorf zur Miete wohne. Das kleine Stöckli vermieten wir und im Bauernwohnhaus wohnen meine Eltern. Für meine Frau und mich war es mit der alten Holzfeuerung nicht modern genug, bzw. wir hätten zu viel hineinstecken müssen. Mein Vater hat in der Gemeinde noch ein Amt übernommen, so ist er auch auswärts und schaut nicht den lieben langen Tag was ich mache. Meine Mutter hilft mir mit dem Kälbertränken und dem Auslauf der Tiere.»
«Wir wohnen hier nahe beieinander bzw. aufeinander. Es ist schon schwierig, wenn man so nahe ist. Aber es gibt halt nichts Anderes. Das liegt finanziell gar nicht drin. Aber wir lernen täglich dazu. Auch meine Schwiegertochter hat langsam gemerkt, dass es in der Landwirtschaft halt nicht so einfach ist und es meistens anders kommt, als man sich das vorstellt. Mühe macht mir, dass die Jungen zu wenig planen. Wir Alten sind dann halt immer da und springen ein.»
Eine hilfreiche Zusammenstellung von Merkpunkten zum Generationenwechsel finden Sie hier.