{"id":432,"date":"2020-04-14T16:31:28","date_gmt":"2020-04-14T15:31:28","guid":{"rendered":"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/?page_id=432"},"modified":"2021-01-15T21:55:45","modified_gmt":"2021-01-15T20:55:45","slug":"konflikttheorie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/konflikttheorie\/","title":{"rendered":"Konflikttheorie"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p>Auf dieser Seite finden Sie theoretische Grundlagen zur Pr\u00e4vention von ernsthaften Auseinandersetzungen, aber auch zum Umgang mit bereits bestehenden Konflikten und Streitigkeiten. Vorgestellt werden neben <em>Konfliktdefinitionen<\/em> auch die <em>Regeln f\u00fcr eine faire Gespr\u00e4chskultur<\/em>, <em>Stufen der Konflikteskalation<\/em>, sowie bekannte <em>Modelle der Konfliktbehandlung<\/em>.<\/p>\n<p>Diese Seite soll helfen, das Verst\u00e4ndnis von Konflikten zu vertiefen und kann auch als Basis f\u00fcr Beratungsunterlagen beigezogen werden. Sie kann aber auch in der Praxis behilflich sein, da das Konfliktverst\u00e4ndnis und die Konfliktf\u00e4higkeit im \u00abNormalbetrieb\u00bb mit den hier aufgef\u00fchrten Ressourcen verbessert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Alle Ausf\u00fchrung in diesem Kapitel basieren auf dem Grundlagenwerk von Friedrich Glasl: \u201eKonfliktmanagement, ein Handbuch f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte, Beraterinnen und Berater\u201c, Stuttgart 2013.<\/p>\n<\/div><div class=\"accordian fusion-accordian\" style=\"--awb-border-size:1px;--awb-icon-size:13px;--awb-content-font-size:var(--awb-typography4-font-size);--awb-icon-alignment:left;--awb-hover-color:#f9f9f9;--awb-border-color:#cccccc;--awb-background-color:#ffffff;--awb-divider-color:var(--awb-color3);--awb-divider-hover-color:var(--awb-color3);--awb-icon-color:#ffffff;--awb-title-color:var(--awb-color8);--awb-content-color:var(--awb-color8);--awb-icon-box-color:#7a7a7a;--awb-toggle-hover-accent-color:#000000;--awb-title-font-family:var(--awb-typography1-font-family);--awb-title-font-weight:var(--awb-typography1-font-weight);--awb-title-font-style:var(--awb-typography1-font-style);--awb-title-font-size:24px;--awb-title-line-height:1.5;--awb-content-font-family:var(--awb-typography4-font-family);--awb-content-font-weight:var(--awb-typography4-font-weight);--awb-content-font-style:var(--awb-typography4-font-style);\"><div class=\"panel-group fusion-toggle-icon-boxed\" id=\"accordion-432-1\"><div class=\"fusion-panel panel-default panel-e3eab68ad9181edeb fusion-toggle-has-divider\"><div class=\"panel-heading\"><h4 class=\"panel-title toggle\" id=\"toggle_e3eab68ad9181edeb\"><a aria-expanded=\"false\" aria-controls=\"e3eab68ad9181edeb\" role=\"button\" data-toggle=\"collapse\" data-parent=\"#accordion-432-1\" data-target=\"#e3eab68ad9181edeb\" href=\"#e3eab68ad9181edeb\"><span class=\"fusion-toggle-icon-wrapper\" aria-hidden=\"true\"><i class=\"fa-fusion-box active-icon awb-icon-minus\" aria-hidden=\"true\"><\/i><i class=\"fa-fusion-box inactive-icon awb-icon-plus\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/span><span class=\"fusion-toggle-heading\">Definitionen<\/span><\/a><\/h4><\/div><div id=\"e3eab68ad9181edeb\" class=\"panel-collapse collapse \" aria-labelledby=\"toggle_e3eab68ad9181edeb\"><div class=\"panel-body toggle-content fusion-clearfix\">\n<p>Um die weiteren Ausf\u00fchrungen besser zu verstehen, lohnt es sich zu definieren, was unter einem Konflikt resp. unter einer Krise verstanden wird.<\/p>\n<h3>Definition <em>Konflikt<\/em><\/h3>\n<p>Generell spricht man von einem Konflikt dann, wenn Interessen, Zielsetzungen oder Wertvorstellungen von Personen, sozialen Gruppen, Organisationen oder Staaten miteinander unvereinbar sind oder unvereinbar erscheinen.<\/p>\n<p>Ein sozialer Konflikt entsteht zwischen Gruppen von Menschen, wenn wenigstens eine Gruppe Differenzen mit der anderen Gruppe hinsichtlich ihrem Denken, Vorstellen, Interpretieren, F\u00fchlen und\/oder Wollen erlebt. Und zwar Differenzen in der Art, dass f\u00fcr die eine Gruppe beim Umsetzen dessen, was sie denkt, f\u00fchlt oder will eine Beeintr\u00e4chtigung durch die andere Gruppe erfolgt.<\/p>\n<p>Eine Meinungsverschiedenheit ist aber noch kein Konflikt \u2013 es kommt darauf an, wie die betroffenen Menschen die Meinungsverschiedenheit erleben und wie sie damit umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Definition <em>Krise<\/em><\/h3>\n<p>Als Krise l\u00e4sst sich eine Situation bezeichnen, die von einer Person oder einer sozialen Gruppe (Familie, Firma, Organisation, Staat, etc.) als existenzbedrohend wahrgenommen wird und nach kurzfristigen Entscheidungen und Massnahmen verlangt. Dabei wird das Krisenhafte dadurch verst\u00e4rkt, dass sich die Entscheidungstr\u00e4ger\/innen oft mit unvollst\u00e4ndigen oder verf\u00e4lschten Informationen konfrontiert sehen und die gew\u00e4hlten Massnahmen einschneidende Folgen f\u00fcr die Existenz der betroffenen Personen oder f\u00fcr das Fortbestehen der betroffenen sozialen Systeme haben.<\/p>\n<p>Vgl. Friedrich Glasl: \u00abKonfliktmanagement, ein Handbuch f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte, Beraterinnen und Berater\u00bb, Stuttgart 2013<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-panel panel-default panel-ea7964e9fc6a635ae fusion-toggle-has-divider\"><div class=\"panel-heading\"><h4 class=\"panel-title toggle\" id=\"toggle_ea7964e9fc6a635ae\"><a aria-expanded=\"false\" aria-controls=\"ea7964e9fc6a635ae\" role=\"button\" data-toggle=\"collapse\" data-parent=\"#accordion-432-1\" data-target=\"#ea7964e9fc6a635ae\" href=\"#ea7964e9fc6a635ae\"><span class=\"fusion-toggle-icon-wrapper\" aria-hidden=\"true\"><i class=\"fa-fusion-box active-icon awb-icon-minus\" aria-hidden=\"true\"><\/i><i class=\"fa-fusion-box inactive-icon awb-icon-plus\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/span><span class=\"fusion-toggle-heading\">Regeln f\u00fcr ein faires Gespr\u00e4ch<\/span><\/a><\/h4><\/div><div id=\"ea7964e9fc6a635ae\" class=\"panel-collapse collapse \" aria-labelledby=\"toggle_ea7964e9fc6a635ae\"><div class=\"panel-body toggle-content fusion-clearfix\">\n<p>Wo eine gute Streitkultur herrscht, kommt es meist gar nicht zu destruktiven Konflikten.<\/p>\n<p>Nicht jede Person vertr\u00e4gt dabei aber gleich viel Offenheit. Deshalb sollten die Gesellschafterinnen und Gesellschafter kl\u00e4ren, wo ihre pers\u00f6nlichen Grenzen liegen: was geh\u00f6rt in die Gemeinschaft, was bleibt privat \u2013 und was darf an die \u00d6ffentlichkeit, was nicht? Wie kann ich meinen Partner\/innen unangenehme Botschaften so mitteilen, dass sie diese annehmen k\u00f6nnen? Und bin ich bereit, auf kritische R\u00fcckmeldungen ernsthaft einzugehen?<\/p>\n<h4>Hier ein paar <strong>Grundregeln der fairen Kommunikation<\/strong><\/h4>\n<ul>\n<li>Eigene Aussagen als <strong>positive Ich-Botschaften<\/strong> formulieren:<br \/>\nImmer von sich aus sprechen \u2013 \u00abIch finde \u2026\u00bb, \u00abIch f\u00fchle mich \u2026\u00bb, \u00abIch verstehe nicht \u2026\u00bb, \u00abIch bin \u2026\u00bb, \u00abIch w\u00fcnsche mir \u2026\u00bb. Wenn m\u00f6glich auf konkrete Situationen eingehen \u2013 Situation im Stall gestern, Unbehagen \u00fcber die Einkommenslage, W\u00fcnsche f\u00fcr die kommende Erntesaison, etc.<\/li>\n<li><strong>Offenheit und Wahrhaftigkeit<\/strong> und der ehrliche Wille, das Gegen\u00fcber zu verstehen, sind erw\u00fcnschte Grundvoraussetzungen f\u00fcr ein erfolgreiches Gespr\u00e4ch. Verzichten Sie auf: Beschimpfen, Anklagen, Drohen, Spott, Ironie, L\u00fcgen, Blockieren, Ablenken, Ausweichen.<\/li>\n<li>Aufmerksam, mit Respekt und <strong>aktiv zuh\u00f6ren<\/strong>:<br \/>\nDer sprechenden Person zugewandt ohne zu unterbrechen das Gesagte aufnehmen. Aussagen wiederholen und nachfragen, ob man es richtig verstanden hat (\u00abHabe ich richtig verstanden, dass, \u2026\u00bb). Merke: Billiges tolerieren, ignorieren, innerlich blockieren oder abschweifen, eigene Verteidigung vorbereiten sind nicht Formen des Zuh\u00f6rens.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Beispiele f\u00fcr <strong>Formulierungen<\/strong>, die das Gespr\u00e4ch in Gang halten<\/h4>\n<p>Eine Aussage wie \u00abImmer kommst Du zu sp\u00e4t!\u00bb blockiert die Diskussion und verh\u00e4rtet eine Beziehung.<\/p>\n<p>Besser ist es, den <strong>konkreten Vorfall anzusprechen<\/strong>:<br \/>\n\u00abDu bist heute 15 Minuten zu sp\u00e4t zu unserer Besprechung gekommen.\u00bb<\/p>\n<p>Statt zu Schimpfen lohnt es sich, darauf einzugehen <strong>welche Gef\u00fchle der Vorfall ausl\u00f6st<\/strong>, zu beschreiben wie es mir geht, wenn das passiert:<br \/>\n\u00abIch machte mir schon Sorgen, ob du unterwegs einen Unfall hattest.\u00bb<\/p>\n<p>Dann soll man durchaus seine <strong>Bed\u00fcrfnisse \u00e4ussern<\/strong>:<br \/>\n\u00abIch habe auch noch viel zu tun und m\u00f6chte gerne p\u00fcnktlich beginnen k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<p>Schliesslich darf man auch seine <strong>W\u00fcnsche und L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge<\/strong> zum konkreten Vorfall aussprechen:<br \/>\n\u00abK\u00f6nntest du mir bitte das n\u00e4chste Mal anrufen, wenn du dich versp\u00e4test?\u00bb<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-panel panel-default panel-ac9161c162221a15a fusion-toggle-has-divider\"><div class=\"panel-heading\"><h4 class=\"panel-title toggle\" id=\"toggle_ac9161c162221a15a\"><a aria-expanded=\"false\" aria-controls=\"ac9161c162221a15a\" role=\"button\" data-toggle=\"collapse\" data-parent=\"#accordion-432-1\" data-target=\"#ac9161c162221a15a\" href=\"#ac9161c162221a15a\"><span class=\"fusion-toggle-icon-wrapper\" aria-hidden=\"true\"><i class=\"fa-fusion-box active-icon awb-icon-minus\" aria-hidden=\"true\"><\/i><i class=\"fa-fusion-box inactive-icon awb-icon-plus\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/span><span class=\"fusion-toggle-heading\">Die Dynamik der Konflikteskalation<\/span><\/a><\/h4><\/div><div id=\"ac9161c162221a15a\" class=\"panel-collapse collapse \" aria-labelledby=\"toggle_ac9161c162221a15a\"><div class=\"panel-body toggle-content fusion-clearfix\">\n<h3>Dynamisierende Faktoren bei der Eskalation<\/h3>\n<p>Wenn ein Konflikt von einer kleinen Spannung zu einer Auseinandersetzung eskaliert, bei der die psychische oder physische Existenz der Konfliktparteien auf dem Spiel steht, dann wirken durch den ganzen Prozess einige wichtige, pr\u00e4gende Mechanismen und Faktoren:<\/p>\n<p><strong>Projektionsmechanismen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchlt sich eine Person bedroht, dann nimmt sie eher an, dass jemand anderer ihr Schaden zuf\u00fcgen will. Wenn die Konfliktparteien einander schlecht machen und Klischeebilder aufbauen, dann sieht man im Gegner oder in der Gegnerin oft die negativen Eigenschaften, die man an sich selbst kennt und abweist. Durch die Verschlechterung der Kommunikation nehmen die Projektionen noch weiter zu und sind schwer zu korrigieren.<\/p>\n<p><strong>Ausweitung und Simplifikation<\/strong><\/p>\n<p>Im Konflikt werden st\u00e4ndig \u2013 bewusst oder unbewusst \u2013 neue Streitpunkte eingebracht. Dies, um auf andere Gebiete auszuweichen, oder um die eigene Position breiter zu untermauern. Oder weil gef\u00fchlsm\u00e4ssig der Gegensatz in einer Sache auf andere Sachen ausstrahlt und dort abf\u00e4rbt. Damit wachsen die Streitpunkte zu einer Lawine an \u2014 die Komplexit\u00e4t der Auseinandersetzung w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Gleichzeitig nimmt die F\u00e4higkeit ab, diese Komplexit\u00e4t zu bew\u00e4ltigen: Unser Aufnahmeverm\u00f6gen schrumpft, es entsteht \u00abkognitive Kurzsichtigkeit\u00bb. Weil durch die zunehmende Komplexit\u00e4t die Spannung immer gr\u00f6sser wird, neigt man dazu, alles zu simplifizieren. Dadurch kommen gerade wieder neue Spannungselemente hinzu.<\/p>\n<p><strong>Zunehmende soziale Komplexit\u00e4t und Personifizierung<\/strong><\/p>\n<p>Konflikte laufen h\u00e4ufig Gefahr, sich auf immer mehr Personen auszuweiten. Vom mikrosozialen Ereignis erreichen sie schliesslich makrosoziales Ausmass. Es tritt \u00absoziale Ansteckung\u00bb\u00a0auf. Die Parteien werden immer gr\u00f6sser und un\u00fcbersichtlicher, man kann immer weniger den Personen selbst begegnen. Aber auf paradoxe Weise nimmt auch das Personifizieren zu: Auf bestimmte Personen konzentriert sich die Kritik. Je l\u00e4nger, desto mehr meint man: \u00abWenn wir Herrn X los sind, dann wird alles wieder gut! Er ist der Kern des \u00dcbels.\u00bb\u00a0Man hat dann die Illusion, dass der Rest der Organisation danach wieder normal funktionieren k\u00f6nnte, wenngleich vielleicht schon die ganze Mitarbeiterschaft in den Konflikt miteinbezogen worden ist.<\/p>\n<p><strong>Pessimistische Antizipation<\/strong><\/p>\n<p>Sobald gegenseitiges Misstrauen vorherrscht, erwarten die Parteien voneinander wenig Gutes. Sie bereiten sich dann darauf vor, dass sie unerwartet angegriffen werden k\u00f6nnen. Darum rechnen sie \u00abmit der schlechtesten der M\u00f6glichkeiten\u00bb und r\u00fcsten sich dagegen. Dadurch nimmt die Eskalationsgeschwindigkeit erheblich zu. Denn jede Partei m\u00f6chte der anderen zuvorkommen.<\/p>\n<h3>Stufenweise Eskalation<\/h3>\n<div id=\"attachment_441\" style=\"width: 1065px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-441\" class=\"wp-image-441 size-full\" src=\"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikteskalation.png\" alt=\"\" width=\"1055\" height=\"722\" srcset=\"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikteskalation-200x137.png 200w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikteskalation-300x205.png 300w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikteskalation-400x274.png 400w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikteskalation-600x411.png 600w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikteskalation-768x526.png 768w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikteskalation-800x547.png 800w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikteskalation-1024x701.png 1024w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikteskalation.png 1055w\" sizes=\"(max-width: 1055px) 100vw, 1055px\" \/><p id=\"caption-attachment-441\" class=\"wp-caption-text\">\u00dcbersicht \u00fcber die 9 Stufen der Konflikteskalation und deren Merkmalen<\/p><\/div>\n<p>Ein Konflikt wird nicht unbemerkt allm\u00e4hlich intensiver, sondern in Stufen. F\u00fcr jede Stufe gilt, dass andere Verhaltensweisen erwartet und akzeptiert werden. In der Praxis k\u00f6nnen sich die Konfliktparteien gut an die \u00dcberg\u00e4nge von einer Eskalationsstufe auf die andere erinnern. Dies sind die \u00abWendepunkte\u00bb, die \u00abBruchstellen\u00bb, die eine Schwelle markieren. An dieser Schwelle k\u00f6nnen die Konfliktparteien vielleicht noch einmal zur Besinnung kommen und \u00fcberlegen, ob sie nicht besser den Konflikt beenden wollen statt ihn weiter eskalieren zu lassen. Jede Eskalationsstufe hat eine Vielzahl von Merkmalen, die untereinander zusammenh\u00e4ngen und ein konsistentes Muster haben. Misslungene L\u00f6sungsversuche tragen oft ungewollt zur Vertiefung der Spannungen bei. Dennoch bem\u00fcht sich jede Seite noch, um mit der Gegenpartei an der Bew\u00e4ltigung der Konflikte zu arbeiten.<\/p>\n<p>Die Eskalation kennt drei Hauptphasen: I, II und III. Jede Hauptphase l\u00e4sst wieder drei Eskalationsstufen erkennen.<\/p>\n<h4>Hauptphase I:<\/h4>\n<p>In den ersten drei Stufen geht es um das Verh\u00e4ltnis zwischen Kooperation und Konkurrenz.<\/p>\n<p><strong>Stufe 1: Verh\u00e4rtung<\/strong><\/p>\n<p>In der Diskussion verh\u00e4rten sich Standpunkte und \u00abkristallisieren\u00bb\u00a0aus. Die Konfliktparteien schliessen sich oft nach aussen ab und erstarren in ihren Haltungen. Sie schwanken zwischen kooperativer und kompetitiver Einstellung hin und her und werden mehr und mehr befangen und gespannt. Gespr\u00e4che kommen zeitweilig zum Stillstand. Dann bem\u00fcht sich jede Seite wieder um eine Fortsetzung des Gespr\u00e4ches.<\/p>\n<p>Die Kommunikation leidet darunter, dass jede Seite stark selektiv zuh\u00f6rt und ihre Wahrnehmung filtert. Bei den Parteien tritt f\u00fcr kurze Zeit \u00abRollenkristallisation\u00bb\u00a0auf. Dennoch bem\u00fcht sich jede Seite \u2013 wenn auch krampfhaft \u2013 noch um eine Fortsetzung der Probleml\u00f6sungsgespr\u00e4che.<\/p>\n<p><strong>Stufe 2: Debatte und Polemik<\/strong><\/p>\n<p>Unterschiedliche Standpunkte haben vor Beginn der Konflikte f\u00fcr Befruchtung und Leben gesorgt. Sie waren in Gespr\u00e4chen in einer nat\u00fcrlichen Bewegung zu verbinden. Jetzt werden sie extrem polarisiert und fixiert. Denken, F\u00fchlen und Wollen bewegen sich in Extremen. Die extremen Positionen schliessen sich gegenseitig aus. Jede Seite spricht ihre eigene Sprache und kann die Gedanken der Partnerin oder des Partners nicht mehr unvoreingenommen anh\u00f6ren. Die Auseinandersetzung wird von scheinlogischen Taktiken und Tricks bestimmt: Argumente werden benutzt, um die Gegenpartei im Gef\u00fchlsleben zu treffen und l\u00e4cherlich zu machen. Die Auseinandersetzung ist nicht mehr lebendig und kreativ, sondern eher mechanisch: Auf ein Argument folgt ein Konterargument und darauf wieder ein Gegenargument. Ein intellektuelles Tennisspiel, das endlos weitergehen k\u00f6nnte. Jede Seite m\u00f6chte der anderen ihre intellektuelle \u00dcberlegenheit zeigen. Es kommt zu vielen Formen von \u00abImponiergehabe\u00bb, das seinerseits die Spannungen erh\u00f6ht. F\u00fcr diese Phase bieten die Erkl\u00e4rungsmodelle der Transaktionsanalyse (E. Berne, 1964) viele brauchbare Gesichtspunkte.<\/p>\n<p>Kooperation und Konkurrenzhaltung wechseln einander jetzt st\u00e4ndig ab und tragen zur gr\u00f6sseren Verwirrung der Parteien bei.<\/p>\n<p><strong>Stufe 3: Taten statt Worte<\/strong><\/p>\n<p>Die Parteien k\u00f6nnen einander mit Worten nicht mehr erreichen und \u00fcberzeugen. Darum tun sie jetzt einfach das, was sie selbst gut finden und stellen die Gegenseite vor vollendete Tatsachen. Jede Seite muss jetzt die Taten der Gegenseite beobachten und wird sie voll Argwohn und Misstrauen interpretieren. Durch die Diskrepanz zwischen verbalem und nonverbalem Verhalten nimmt das gegenseitige Missverstehen und Misstrauen weiter zu. Die Parteien schliessen sich als Gruppen gegenseitig ab. Sie k\u00f6nnen sich nicht mehr in das einf\u00fchlen, was in der anderen Partei umgeht. Empathie geht dabei v\u00f6llig verloren und man k\u00fcmmert sich nicht mehr viel um die Gedanken und Gef\u00fchle der anderen Seite. Innerhalb der Parteigruppen entsteht Konformit\u00e4tsdruck und ein starkes Wir-Gef\u00fchl.<\/p>\n<h4>Hauptphase II:<\/h4>\n<p>Auf den n\u00e4chsten drei Stufen r\u00fccken die subjektiven Faktoren in den Vordergrund. In dieser Phase treten stark die Mechanismen der \u00abself-fulfilling prophecy\u00bb auf. Der psychische Abstand nimmt erheblich zu. Die Parteien meinen dann auch, dass sie miteinander die Konflikte nicht mehr l\u00f6sen k\u00f6nnen. Auf diesen Stufen ist zumeist eine externe Hilfe unumg\u00e4nglich. Mit den Stufen 4 bis 6 geht es nach Ansicht der Parteien um eine Haltung des \u00abGewinnens oder Verlierens\u00bb, dazwischen scheint es f\u00fcr sie nichts Attraktives zu geben.<\/p>\n<p><strong>Stufe 4: Images und Koalitionen<\/strong><\/p>\n<p>Jede Partei macht sich von der eigenen Seite ein besonders positives und von der Gegenseite ein sehr negatives Bild: Die Gegnerin oder der Gegner weiss weniger, kann weniger, ist weniger attraktiv. Diese Bilder werden sehr stark fixiert und bei Begegnungen mit dem Gegner\/der Gegnerin durch andere Fakten nicht mehr korrigiert, Man sieht nur noch das eigene Vorurteil best\u00e4tigt. Solche Vorurteile entstehen weitgehend durch psychologische Projektionen: In der Gegenpartei werden vor allem die st\u00f6renden Eigenschaften erkannt, welche uns an uns selber unbewusst auch \u00e4rgern. Wir sehen aber den Dorn im Auge des N\u00e4chsten, um den Balken im eigenen Auge lassen zu k\u00f6nnen. Jede Seite versucht, den Konflikt auch in die Umgebung zu verlagern und Anh\u00e4nger zu werben, die das eigene Bild teilen. Die Konfliktparteien man\u00f6vrieren einander in extreme Rollen und bek\u00e4mpfen einander gerade in diesen Rollen. Dabei sind die Mechanismen erkennbar, die P. Watzlawick\/J. Beavin\/D. Jackson 1968 beschrieben haben als \u00abdoppelte Bindungen\u00bb\u00a0und \u00abparadoxe Beziehungen\u00bb. Man sucht die Gegenpartei als S\u00fcndenbock abzustempeln, um sie schlagen zu k\u00f6nnen. Aber man darf sie nicht vernichten oder verlieren, weil man sie ja als S\u00fcndenbock n\u00f6tig hat.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stufe 5: Gesichtsangriff und Gesichtsverlust<\/strong><\/p>\n<p>Die Parteien greifen jetzt gegenseitig auch das Gesicht an, d.h. die moralische Integrit\u00e4t des Gegners\/der Gegnerin. Sie \u00abdemaskieren\u00bb einander, denn jede Partei erkennt im Gegner\/der Gegnerin nur noch den negativen Doppelg\u00e4nger, die Gesamtgestalt der negativen Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale und nicht mehr das bessere, h\u00f6here Ich. Engel und Teufel stehen einander gegen\u00fcber. Dazu werden jetzt leidenschaftliche Ausstossungsrituale inszeniert (siehe vor allem E. Goffman 1955, H. Garfinkel 1974): Jede Partei meint, dass es ihre heilige Pflicht ist, die Gegenseite als Personifizierung des B\u00f6sen zu verurteilen. Jede ausgestossene Partei wird sozial weitgehend isoliert und gr\u00e4bt sich in Selbstmitleid ein. Sie strebt verbittert nur noch nach Rehabilitation, weil der Glaube an die eigene Integrit\u00e4t tief ersch\u00fcttert worden ist.<\/p>\n<p><strong>Stufe 6: Drohstrategien<\/strong><\/p>\n<p>Die Parteien m\u00f6chten einander zum Nachgeben zwingen und sprechen Forderungen aus. Wenn diese nicht erf\u00fcllt werden, dann wird eine gewaltsame Aktion, eine Sanktion, in Aussicht gestellt, die erheblichen Schaden verursachen wird. Damit will jede Seite auf den Gegner\/die Gegnerin Eindruck machen. Damit die Drohung mit einer Sanktion ernst genommen wird, muss die angedrohte Sanktion bereits teilweise ausgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Jede Seite versucht, den Druck auf den Feind zu erh\u00f6hen, indem sie sich selbst \u00f6ffentlich an die Drohung bindet: \u00abWenn ich nicht \u2026 tue, dann soll ich Maier heissen!\u00bb So kann keine Partei mehr zur\u00fcck, obwohl sie vielleicht sp\u00e4ter einsieht, dass das Ausf\u00fchren der Drohung f\u00fcr sie selber sinnlos oder sch\u00e4dlich ist. Durch Ultimatum und Gegenultimatum nimmt der Zeitdruck zu. Die Folgen der Drohung greifen immer weiter um sich. Es werden mehr Koalitionspartner\/innen aktiv in den Konflikt gezogen. Der Konflikt zieht immer weitere Kreise und ist schwer einzud\u00e4mmen, weil die Parteien zu \u00ab\u00dcberreaktionen\u00bb neigen. Durch pessimistische Antizipation nimmt der Stress erheblich zu.<\/p>\n<h4>Hauptphase III:<\/h4>\n<p>Mit den vorhergehenden Eskalationsstufen 4 bis 6 hat eine ungeheure Radikalisierung stattgefunden. Die Konfliktparteien behandeln einander jetzt nur noch als ein \u00abDing\u00bb, sie rechnen haupts\u00e4chlich mit quantitativen Gr\u00f6ssen. Jede Seite hat den Glauben an die menschliche W\u00fcrde der Gegnerin\/des Gegners \u00fcber Bord geworfen. In den letzten Stufen geht es nur noch um \u00abVerlieren gegen Verlieren\u00bb (\u00ablose-lose Situation\u00bb), zu gewinnen gibt es nichts mehr.<\/p>\n<p><strong>Stufe 7: Begrenzte Vernichtungsschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>Drohungen gehen in Aktionen \u00fcber, um die Gegnerin\/den Gegner an der Ausf\u00fchrung der Drohung zu hindern. Es werden vorerst nur die Mittel zerst\u00f6rt, mit denen die Sanktion der Drohung ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnte. Es gibt nichts mehr zu gewinnen. Aber wenn der Feind mehr Schaden erlitten hat als wir, dann wird dies von uns als Gewinn erlebt. Schaden wird zu Freude (Schadenfreude); der Gegner\/die Gegnerin wird gezwungen, G\u00fcter zu opfern; L\u00fcge wird zur \u00abKriegstugend\u00bb, moralische Werte werden in ihr Gegenteil verkehrt.<\/p>\n<p><strong>Stufe 8: Zersplitterung des Gegners<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die Konfliktparteien Gruppen oder Organisationen sind, dann werden die vitalen Organe des Gegners\/der Gegnerin angegriffen und funktionsunt\u00fcchtig gemacht. Die Beziehungen der Hauptstreiter\/innen zur Hintermannschaft werden abgeschnitten. Durch Schw\u00e4chung des inneren Zusammenhaltens und durch L\u00e4hmung wichtiger Funktionen wird die Gegenpartei zerschlagen. Sie desintegriert geistig, seelisch und physisch so weit, dass sie sich nicht mehr regenerieren kann.<\/p>\n<p><strong>Stufe 9: Gemeinsam in den Abgrund<\/strong><\/p>\n<p>Die Feinde sehen keinen Weg mehr zur\u00fcck. Die totale Konfrontation zielt auf die endg\u00fcltige Vernichtung des Gegners. Jede Partei ist hemmungslos zum \u00c4ussersten bereit, auch wenn dies Selbstvernichtung mit sich bringt. Im Untergang erleben sie noch einen Triumph: dass mit ihnen auch die Gegnerin\/der Gegner in den Abgrund st\u00fcrzt.<\/p>\n<h4><strong>Mit welchen Kr\u00e4ften haben wir bei der Konflikteskalation zu tun?<\/strong><\/h4>\n<p>Mit der Konflikteskalation k\u00f6nnen wir als Menschen bestimmte unmenschliche und unbewusste Kr\u00e4fte zulassen und mobilisieren. Wenn sie einmal sozial wirken, dann drohen sie uns weiter mit sich zu reissen. Und doch eskalieren Konflikte nicht immer automatisch weiter bis zur letzten Stufe. In jeder Stufe k\u00f6nnen wir an der Schwelle zur n\u00e4chsten Stufe wach werden und den Konflikt nicht tiefer eskalieren lassen, wenn wir es wirklich so wollen. Wenn wir diese Bewusstseinssignale \u00fcberh\u00f6ren und uns von den aufkommenden Trieben und Leidenschaften v\u00f6llig beherrschen lassen, dann wird die Zerst\u00f6rung immer gr\u00f6ssere Dimensionen annehmen.<\/p>\n<p>Unbewusst verf\u00fcgen wir \u00fcber ein negatives Kraftpotenzial, das uns zu ungeheuren und unmenschlichen Taten bef\u00e4higt. Im Konflikt wecken wir dieses Potential gegenseitig, in Kriegen kann es bewusst durch Aktionen der \u00abpsychologischen Kriegsf\u00fchrung\u00bb\u00a0mobilisiert werden. Im Konflikt gehen Menschen in die tiefsten Regionen des Infernos, der Unterwelt, wie sie oft in Mythologien bildhaft beschrieben wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Konfliktbehandlung ist die richtige Diagnose der Eskalationsstufe von eminenter Bedeutung f\u00fcr die Sofortmassnahmen, f\u00fcr die Wahl der richtigen Rolle und Strategie. Auf jeder Eskalationsstufe sind andere Interventionen wirksam. Jede Eskalationsstufe konfrontiert die Drittpartei auch mit anderen Unzul\u00e4nglichkeiten und Chancen.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-panel panel-default panel-b0ee8388d25094f09 fusion-toggle-has-divider\"><div class=\"panel-heading\"><h4 class=\"panel-title toggle\" id=\"toggle_b0ee8388d25094f09\"><a aria-expanded=\"false\" aria-controls=\"b0ee8388d25094f09\" role=\"button\" data-toggle=\"collapse\" data-parent=\"#accordion-432-1\" data-target=\"#b0ee8388d25094f09\" href=\"#b0ee8388d25094f09\"><span class=\"fusion-toggle-icon-wrapper\" aria-hidden=\"true\"><i class=\"fa-fusion-box active-icon awb-icon-minus\" aria-hidden=\"true\"><\/i><i class=\"fa-fusion-box inactive-icon awb-icon-plus\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/span><span class=\"fusion-toggle-heading\">L\u00f6sungswege f\u00fcr ernsthafte Konflikte in Gemeinschaften<\/span><\/a><\/h4><\/div><div id=\"b0ee8388d25094f09\" class=\"panel-collapse collapse \" aria-labelledby=\"toggle_b0ee8388d25094f09\"><div class=\"panel-body toggle-content fusion-clearfix\">\n<p>Tritt ein massiver oder chronischer Konflikt auf, kann ja nach Eskalationsstufe wie folgt vorgegangen werden:<\/p>\n<p><strong>1. Wenn Vertrauen und Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft grunds\u00e4tzlich noch intakt sind:<\/strong><br \/>\nEine Aussprache zwischen den betroffenen Personen vereinbaren. Dazu gen\u00fcgend Zeit an einem Ort einplanen, wo man nicht gest\u00f6rt werden kann. W\u00e4hrend der Aussprache die Regeln f\u00fcr faire Gespr\u00e4che ganz besonders beachten. Allenfalls beschlossene Massnahmen in einer Versuchsphase pr\u00fcfen und danach deren Wirkung gemeinsam besprechen und wenn n\u00f6tig anpassen.<\/p>\n<p><strong>2. Wenn das Vertrauen oder die Gespr\u00e4chskultur zwar gef\u00e4hrdet sind, aber noch einigermassen funktionieren:<\/strong><br \/>\nEine Aussprache mit allen Gesellschafterinnen und Gesellschaftern vereinbaren, um den Streitpunkt wenn m\u00f6glich intern auszur\u00e4umen. W\u00e4hrend der Aussprache die Regeln f\u00fcr faire Gespr\u00e4che ganz besonders beachten. Sich vorg\u00e4ngig \u00fcber die Ziele des Treffens einigen und dessen Ergebnisse protokollieren. Die beschlossenen Massnahmen in einer Versuchsphase pr\u00fcfen und danach deren Wirkung gemeinsam besprechen und wenn n\u00f6tig anpassen.<\/p>\n<p><strong>3. Wenn das Vertrauen gelitten hat und die offene Kommunikation nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich ist:<\/strong><br \/>\nProfessionelle Unterst\u00fctzung (Mediation, Coaching, Schlichtung) zur Konfliktl\u00f6sung beiziehen und daf\u00fcr das explizite Einverst\u00e4ndnis aller Gesellschafter\/innen einholen. Mit den Fachleuten die Ziele der Beratung kl\u00e4ren und einen Zeit- und Kostenrahmen vereinbaren. Konstruktiv am Gespr\u00e4chsprogramm der beigezogenen Fachperson teilnehmen und ernsthaft versuchen, die beschlossenen Massnahmen umzusetzen.<\/p>\n<p><strong>4. Wenn das Vertrauen zerr\u00fcttet ist und die offene Kommunikation nicht mehr funktioniert:<\/strong><br \/>\nZuerst mit einem Coaching pr\u00fcfen, ob f\u00fcr die Gemeinschaft noch eine Rettungschance besteht. Falls ja beim vorherigen Punkt ansetzen.<br \/>\nAndernfalls nicht z\u00f6gern, den Austritt eines Mitglieds oder die Aufl\u00f6sung der Gemeinschaft anzupacken. Dazu empfiehlt sich der Beizug einer Fachberatung, denn gerade bei der vorzeitigen Aufl\u00f6sung ist Fairness und Klarheit unter den Partnern oberstes Gebot. Oft braucht es dazu die Unterst\u00fctzung sowohl einer Moderatorin\/eines Coaches wie auch einer Treuh\u00e4nderin\/eines Betriebswirtschaftsberaters. Diese Investition lohnt sich aber auf jeden Fall. Denn ein chaotisches Ende, das sich unter Streitigkeiten hinzieht, wird nicht nur deutlich mehr kosten, sondern auch tiefe emotionale Wunden hinterlassen.<\/p>\n<p>Auch bei der Aufl\u00f6sung dem Programm der Fachberatung konstruktiv folgen und die beschlossenen Massnahmen und Aufgaben ernsthaft und speditiv umsetzen. Wird die Aufl\u00f6sung einer Kooperation sauber und z\u00fcgig angepackt, k\u00f6nnen sich die ehemaligen Partner\/innen viel schneller wieder auf die eigenen Beine stellen und ihre Zukunft unbelastet neu gestalten.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-panel panel-default panel-3d44cdcd01eaa4be6 fusion-toggle-has-divider\"><div class=\"panel-heading\"><h4 class=\"panel-title toggle\" id=\"toggle_3d44cdcd01eaa4be6\"><a aria-expanded=\"false\" aria-controls=\"3d44cdcd01eaa4be6\" role=\"button\" data-toggle=\"collapse\" data-parent=\"#accordion-432-1\" data-target=\"#3d44cdcd01eaa4be6\" href=\"#3d44cdcd01eaa4be6\"><span class=\"fusion-toggle-icon-wrapper\" aria-hidden=\"true\"><i class=\"fa-fusion-box active-icon awb-icon-minus\" aria-hidden=\"true\"><\/i><i class=\"fa-fusion-box inactive-icon awb-icon-plus\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/span><span class=\"fusion-toggle-heading\">Modell der Konfliktbehandlung<\/span><\/a><\/h4><\/div><div id=\"3d44cdcd01eaa4be6\" class=\"panel-collapse collapse \" aria-labelledby=\"toggle_3d44cdcd01eaa4be6\"><div class=\"panel-body toggle-content fusion-clearfix\">\n<h4><strong>\u00dcberblick: Indikatoren-Kompass:<\/strong><\/h4>\n<p>Ans\u00e4tze zur Konfliktbehandlung k\u00f6nnen mithilfe des \u00abIndikatoren-Kompass\u00bb auf die Rahmenbedingungen der Konfliktsituation abgestimmt werden. Diese Rahmenbedingungen umfassen:<\/p>\n<ol>\n<li><em>Den aktuellen Eskalationsgrad:<\/em> Auf welchen Eskalationsstufen befinden sich die Konfliktparteien? (siehe unten)<\/li>\n<li><em>Den Konflikttypus:<\/em> Spielt der Konflikt in der Mikro-, Meso- oder Makro-Arena? Geht es um Friktion, Positionskampf oder einen Systemver\u00e4nderungskonflikt? Wird heiss oder kalt gestritten?<\/li>\n<li><em>Die Rahmenvorgaben:<\/em> Welche Art der Konfliktbehandlung ist von vornherein geboten bzw. ausgeschlossen?<\/li>\n<li><em>Generelle Kontextbedingungen<\/em> kultureller, historischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Art: Erschwert eventuell die Kultur des Umfeldes eine bestimmte Art der Konfliktl\u00f6sung?<\/li>\n<\/ol>\n<div id=\"attachment_439\" style=\"width: 1726px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-439\" class=\"wp-image-439 size-full\" src=\"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass.png\" alt=\"\" width=\"1716\" height=\"590\" srcset=\"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass-200x69.png 200w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass-300x103.png 300w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass-400x138.png 400w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass-600x206.png 600w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass-768x264.png 768w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass-800x275.png 800w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass-1024x352.png 1024w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass-1200x413.png 1200w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass-1536x528.png 1536w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/konflikte-indikatorenkompass.png 1716w\" sizes=\"(max-width: 1716px) 100vw, 1716px\" \/><p id=\"caption-attachment-439\" class=\"wp-caption-text\">Indikatoren-Kompass zur Konflikt-Behandlung<\/p><\/div>\n<p>Um fundiert entscheiden zu k\u00f6nnen, wie bei der Konfliktbehandlung vorzugehen sei, muss erst eine grobe Orientierung und danach eine genaue professionelle Diagnose der Konfliktsituation vorgenommen werden. Kernpunkte der Diagnose bilden die vier Orientierungsrichtungen des Indikatoren-Kompass und deren Konsequenzen f\u00fcr die Strategie. Rollenwahl bei der Konfliktbehandlung werden im Folgenden kompakt erkl\u00e4rt (ausf\u00fchrliche Erl\u00e4uterungen finden sich im erw\u00e4hnten Grundlagenwerk von Friedrich Glasl: \u00abKonfliktmanagement, Ein Handbuch f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte, Beraterinnen und Berater\u00bb<sup>1<\/sup>).<\/p>\n<h4>Aktueller Eskalationsgrad<\/h4>\n<p>Wenn Konflikte so intensiv geworden sind, dass das Vertrauen zwischen den beteiligten Parteien in die Br\u00fcche gegangen ist, dann ist ein anderes Vorgehen geboten, als wenn es sich nur um geringe Beeintr\u00e4chtigungen der gegenseitigen Beziehungen handelt. lnterventionsmethoden, die f\u00fcr intensiv eskalierte Konflikte notwendig sind, w\u00e4ren f\u00fcr leichte Formen des Konflikts erdr\u00fcckend und deshalb nicht sinnvoll. Umgekehrt gilt auch, dass die Methoden, die in leicht eskalierten Konflikten sehr wirksam sind, in Konflikten mit fortgeschrittener Eskalation einfach l\u00e4cherlich w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Deshalb muss f\u00fcr jede professionelle Behandlung von Konflikten der Eskalationsgrad richtig eingesch\u00e4tzt werden.<br \/>\nEine Hilfe dazu bietet das <em>Modell der neun Eskalationsstufen<\/em>. Es zeigt, wie Konflikte intensiver werden und sich ausweiten. Eine Beschreibung der Stufen und der ihnen zugrunde liegenden Dynamik folgt in Kapitel 4.4 \u00abDynamik der Konflikteskalation\u00bb.<\/p>\n<p>F\u00fcr die praktische Arbeit m\u00fcssen wir aber die charakteristischen Erscheinungsbilder (Symptome) der einzelnen Stufen und deren Zusammenwirken (Syndrome) erkennen und verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf den <em>Eskalationsstufen 1 bis 3 <\/em>k\u00f6nnen Methoden erfolgreich eingesetzt werden, die immer Eigenleistungen der Streitenden voraussetzen. Die Parteien werden dadurch stimuliert, sich f\u00fcr die Anspr\u00fcche der Gegenpartei zu \u00f6ffnen, mit eigenen L\u00f6sungsideen zu kommen und selbst Verantwortung f\u00fcr die Anwendung bestimmter Methoden mit zu tragen.<\/p>\n<p>Je tiefer jedoch der Konflikt <em>\u00fcber die Stufe 4 hinaus <\/em>eskaliert ist, desto weniger sind die Konfliktparteien noch f\u00e4hig, brauchbare L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge zu finden. Die L\u00f6sungsideen wie auch die Methoden, mit denen am Konflikt fruchtbar gearbeitet werden kann, sowie das Setting, in dem die Verhandlungen oder Gespr\u00e4che gef\u00fchrt werden, m\u00fcssen darum immer mehr vom externen Mediator\/in oder von der Konfliktberatung vorgegeben werden. Denn sobald die Schwelle zur Stufe 5 \u00fcberschritten ist, kann zun\u00e4chst nicht auf die Selbstheilungskr\u00e4fte der Konfliktparteien gebaut werden. In Analogie zu Erkrankungen des menschlichen Organismus kann f\u00fcr soziale Systeme gesagt werden, dass vielleicht das \u00absoziale Immunsystem\u00bb der Beteiligten nicht mehr intakt ist. \u00c4hnlich wie bei schweren Krankheiten ist dann die Zerst\u00f6rung der Selbstheilungskr\u00e4fte das gr\u00f6sste Problem.<\/p>\n<p>Wenn sich die Eskalation den <em>Stufen 6, 7 und 8 n\u00e4hert<\/em>, muss die Drittpartei mit Macht ausgestattet sein, denn sie sollte vor\u00fcbergehend L\u00f6sungen auch gegen den Willen der Konfliktparteien durchsetzen und bei Missachtung von Vereinbarungen Sanktionen verh\u00e4ngen k\u00f6nnen. All das erfordert andere Vorgehensweisen als die der herk\u00f6mmlichen Mediation. Es w\u00e4re unrealistisch, diese Konflikte \u2013 aus idealistischen und ideologischen Erw\u00e4gungen \u2013 mit nicht-direktiven Interventionen bearbeiten zu wollen.<\/p>\n<div id=\"attachment_443\" style=\"width: 1482px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-443\" class=\"wp-image-443 size-full\" src=\"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/mediation-eskalationsstufen.png\" alt=\"\" width=\"1472\" height=\"877\" srcset=\"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/mediation-eskalationsstufen-200x119.png 200w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/mediation-eskalationsstufen-300x179.png 300w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/mediation-eskalationsstufen-400x238.png 400w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/mediation-eskalationsstufen-600x357.png 600w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/mediation-eskalationsstufen-768x458.png 768w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/mediation-eskalationsstufen-800x477.png 800w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/mediation-eskalationsstufen-1024x610.png 1024w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/mediation-eskalationsstufen-1200x715.png 1200w, https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/04\/mediation-eskalationsstufen.png 1472w\" sizes=\"(max-width: 1472px) 100vw, 1472px\" \/><p id=\"caption-attachment-443\" class=\"wp-caption-text\">Verkn\u00fcpfung der Ans\u00e4tze f\u00fcr Konfliktmanagement und Mediation mit den Eskalationsstufen<\/p><\/div>\n<p>Die in Abb. 4.3.2 angef\u00fchrten Ans\u00e4tze sind f\u00fcr verschiedene Stufen des Eskalationsmodells angezeigt. Empirische Forschungen zu diesen Ans\u00e4tzen zeigen, dass mit zunehmender Eskalation die direktiven Elemente (in Bezug auf die inhaltlichen Streitpunkte, das Setting und die gew\u00e4hlte Methode) zunehmen m\u00fcssen, wenn wirksame Ver\u00e4nderungen erzielt werden sollen.<\/p>\n<p>Die \u00fcberlappenden Ans\u00e4tze in der schematischen \u00dcbersicht der Abb. 4.3.2 besagen, dass sich die Anwendungsbereiche \u00fcberschneiden. Es h\u00e4ngt vom Konflikttypus ab, ob z.B. auf Stufe 3 Moderation (bzw. <em>Supervisory Mediation<\/em>) oder Prozessberatung (bzw. <em>Facilitating oder Transformative Mediation<\/em>) mehr Erfolg verspricht.<\/p>\n<p>Die verschiedenen Vorgehensweisen der Konfliktbehandlung mit ihren Rollenkonzepten werden in den nachfolgenden Modellen (a) bis (f) zusammengefasst. Dabei ist zu beachten, dass die erfolgreiche Anwendung der erw\u00e4hnten Methoden sehr anspruchsvoll ist und eine Menge an Fachkompetenz und Erfahrung voraussetzt. Je weiter ein Konflikt eskaliert ist, umso mehr muss das Konfliktmanagement ausgewiesenen Fachleuten anvertraut werden.<\/p>\n<p><strong>a) Moderation, Supervision, <\/strong><em>bzw. Scrivener Mediation<\/em> (<em>Supervisory Mediation):<\/em><\/p>\n<p>Hier geht es mehr oder weniger um protokollarische Funktionen, etwa um einen Gespr\u00e4chsvorsitz oder die F\u00fchrung eines Protokolls durch eine unbeteiligte Person, oder um minimale Eingriffe. Hierf\u00fcr ist eine gute Kenntnis der verbalen und nonverbalen Kommunikation sowie ihrer Pervertierungen erforderlich. \u00dcberdies sind Techniken wichtig f\u00fcr Problemanalyse, Kreativit\u00e4t, Entscheidungen, Moderation usw. (Anleitungen finden sich z.B. in Seifert J. \u00abVisualisieren \u2013 Pr\u00e4sentieren \u2013 Moderieren\u00bb, Offenbach 2001). Mit diesen Techniken soll die Selbstt\u00e4tigkeit der Konfliktparteien zur L\u00f6sungsfindung stimuliert werden.<\/p>\n<p><strong>b) Prozesskonsultation, Prozessbegleitung, Prozessberatung,<\/strong>\u00a0<em>bzw.<\/em> <em>Supervisory Mediation, Facilitating Mediation, Transformative Mediation:<\/em><\/p>\n<p>Diese Ans\u00e4tze sehen bewusst keine zu tiefen Interventionen vor, sondern animieren und unterst\u00fctzen im Sinne eines Supervisionsprozesses die Konfliktparteien, ihre Probleme selbstt\u00e4tig zu l\u00f6sen. Die Prozessberatung verbindet sich f\u00fcr einige Zeit mit den Klienten, um alte Denk- und Handlungsmuster abzubauen und neue zu entwickeln und zu verankern.<br \/>\nZu den wichtigsten Methoden geh\u00f6ren Perzeptionskl\u00e4rungen (u.a. nach Blake\/Shepard\/Mouton: \u00abManaging intergroup conflict in industry\u00bb, Ann Arbor, Houston 1964; oder Burton: \u00abConflict and communication\u00bb, London 1969).<br \/>\nF\u00fcr <em>Facilitating Mediation<\/em> ist die von Besemer (\u00abMediation\u00bb, Baden 1995) beschriebene Methodik repr\u00e4sentativ f\u00fcr das heute im deutschsprachigen Raum am meisten verbreitete Konzept. Es verbindet <em>Facilitating Mediation<\/em> mit supervisorischer Mediation und mit Anteilen der Transformativen Mediation.<br \/>\nDurch <em>Transformative Mediation<\/em> nach Bush und Folger (\u00abThe promise of mediation\u00bb, San Francisco 1994) werden Haltungs- und Beziehungsver\u00e4nderungen angestrebt, die in einem l\u00e4ngeren und tiefer sch\u00fcrfenden Begleitprozess erreicht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>c) Sozio-therapeutische Prozessbegleitung; <\/strong><em>bzw. Therapeutic Mediation:<\/em><\/p>\n<p>Mit diesen Interventionen wird der gr\u00f6sste Tiefgang angestrebt, wodurch pathologisch gewordene Beziehungs- und lnteraktionsmuster wieder aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Dazu m\u00fcssen Fragen der individuellen oder kollektiven Werte und Ideale bearbeitet werden. So kann ein neues Selbstverst\u00e4ndnis entstehen als Grundlage f\u00fcr eine offenere Begegnung mit dem bisherigen Feind. <em>Therapeutic Mediation<\/em> integriert heute sozio-therapeutische Interventionsmethoden, z.B. zum Aufl\u00f6sen paranoider Deutungsmuster bei den Konfliktparteien, so dass sie auch in schwierigen und tief eskalierten Konflikten erfolgreich eingesetzt werden kann.<\/p>\n<p><strong>d) Klassische Vermittlung, Klassische Mediation; <\/strong><em>Shuttle Mediation, Structured Mediation:<\/em><\/p>\n<p>Dieser Ansatz entspricht der klassischen \u00abPendel-Diplomatie\u00bb, die durch Dreiecks-Verhandlungen einen Kompromiss anstrebt. F\u00fcr dieses Vorgehen bietet der Harvard-Ansatz wirksame Methoden (Fisher, Ury, Patton: \u00abDas Harvard-Konzept\u00bb, Frankfurt\/New York 1995).<\/p>\n<p><strong>e) Fakultative oder obligatorische Schiedsverfahren, Gerichtsverfahren; <\/strong><em>Mediation and Arbitration (MedArb), Court-connected Mediation, Celebrity Mediation<\/em><strong><em>:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Konfliktparteien erarbeiten nicht mehr eigene L\u00f6sungen, sondern akzeptieren (freiwillig oder gezwungen) die Entscheidung der Drittpartei. \u00abMedarb\u00bb ist die Verkn\u00fcpfung von \u00abMediation and Arbitration\u00bb. Sie wird jedoch von vielen Vertreter\/innen und Praktiker\/innen der Mediation als unzul\u00e4ssig abgelehnt. Auch mit dem Begriff \u00abCourt-connected Mediation\u00bb sind formalisierte und ritualisierte Verfahren gemeint, die den Konfliktparteien die L\u00f6sungen autoritativ auferlegen. \u00abCelebrity Mediation\u00bb wird von hochangesehenen Personen des \u00f6ffentlichen Lebens durchgef\u00fchrt (z.B. von Expr\u00e4sident Jimmy Carter) und lebt von deren moralischer Autorit\u00e4t. Durch ihre Reputation k\u00f6nnen sie moralischen Druck erzeugen und L\u00f6sungen suggerieren.<\/p>\n<p><strong>f) Machteingriff; <\/strong><em>Power Mediation, Muscle Mediation:<\/em><\/p>\n<p>Die Bezeichnungen verraten, dass es um den Einsatz von Drohung, Zwang und Macht geht, was jedoch mit Mediation kaum mehr zu vereinbaren ist.<\/p>\n<h4>Der Konflikttypus<\/h4>\n<p><strong>1. Die Reichweite des Konflikts<\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein unterschiedliches Vorgehen erforderlich, wenn der Streit um einige isolierte Fragen geht (Friktion), oder um einen Positionskampf, oder um die grundlegende Ver\u00e4nderung einer Organisation (Systemver\u00e4nderungskonflikt). Beim ersten Typus reichen Streitpunkt-orientierte Methoden aus, die vor allem der Harvard-Ansatz oder das Konzept von De Bono (1998) bietet. Hingegen ist beim dritten Typus Kompetenz f\u00fcr Organisationsentwicklung bzw. <em>Community Development<\/em> unbedingt notwendig.<\/p>\n<p><strong>2. Die Konflikt-Arena<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ein Konflikt in der \u00abMikro-Arena\u00bb\u00a0spielt (in Kleingruppen, wo jeder jedem pers\u00f6nlich begegnet), kann ganz direkt auf die Wahrnehmungen der Konfliktparteien, auf ihr Denken, F\u00fchlen, Wollen und Handeln eingewirkt werden, so dass mit der Arbeit an den Beziehungen der Konflikt gekl\u00e4rt bzw. konstruktiv gel\u00f6st werden kann.<\/p>\n<p>Bei Konflikten in der \u00abMeso-Arena\u00bb (Abteilungen, Bereiche, Unternehmensteile) mit mannigfaltigen strukturellen Vorgaben und Zw\u00e4ngen, gen\u00fcgt es nicht, an den intraindividuellen und interpers\u00f6nlichen Problemen zu arbeiten. Es muss dar\u00fcber hinaus auch auf die unpers\u00f6nlichen und metapers\u00f6nlichen Aspekte (z.B. Organisationskultur, Struktur usw.) und die Dynamik dieser Systeme eingegangen werden.<\/p>\n<p>In einem Konflikt, der in der \u00abMakro-Arena\u00bb spielt, also in der Gesellschaft, in einem Land, zwischen politischen Str\u00f6mungen usw., w\u00e4ren sozio-therapeutische Ans\u00e4tze nicht wirksam. Was bei der L\u00f6sung von Familienkonflikten hilfreich ist, kann bei der \u00dcbertragung auf politische Systeme zur Katastrophe werden! Wenn in der Makro-Arena der Konflikt auf der Eskalationsstufe 5 gelandet ist, wird es kaum m\u00f6glich sein, auf der B\u00fchne der \u00d6ffentlichkeit mit sozio-therapeutischen Ans\u00e4tzen zu arbeiten. Hier wird es zum Austauschen der Personen kommen, die ihre Glaubw\u00fcrdigkeit verspielt haben, so dass die Strategien der klassischen Vermittlung (<em>Shuttle Mediation<\/em> bzw. der <em>Celebrity Mediation<\/em>) zur Anwendung kommen. Aber weil in jedem Makro-Konflikt auch Mikro-Konflikte inbegriffen sind, beispielsweise mit den Mitgliedern einer offiziellen Delegation, kann \u2013 unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit \u2013 mit den Kernpersonen der Delegation durchaus sozio-therapeutisch gearbeitet werden.<\/p>\n<p>Die \u00fcberlappenden Anwendungsgebiete der genannten Formen der Konfliktbehandlung werden durch die unterschiedlichen Austragungsformen von Konflikten bedingt.<\/p>\n<p><strong>3. Die Austragungsformen der Konflikte<\/strong><\/p>\n<p>Konflikte k\u00f6nnen sowohl auf heisse als auch auf kalte Art eskalieren. Eine Reihe von Faktoren f\u00fchrt dazu, dass entweder ganz offen und direkt gestritten wird (heiss), oder dass Konflikte hinterr\u00fccks und verdeckt (kalt) ausgetragen werden.<\/p>\n<div class=\"table-1\">\n<table>\n<caption>Gegens\u00e4tzliche Tendenzen der Austragungsformen von Konflikten<\/caption>\n<thead>\n<tr>\n<th><strong>Heisse Konflikte<\/strong><\/th>\n<th><strong>Kalte Konflikte<\/strong><\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Streitenden begeistern sich f\u00fcr ihre \u00abErreichungsziele\u00bb<\/td>\n<td>Die Konfliktparteien verfolgen \u00fcberwiegend \u00abVerhinderungsziele\u00bb<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Die Konfliktparteien wollen die Gegner\/innen vordergr\u00fcndig \u00fcberzeugen oder \u201ebekehren\u201c<\/td>\n<td>Die Streitenden wollen die Gegner\/innen blockieren und paralysieren durch Ironie, Zynismus, Sarkasmus<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Die K\u00e4mpfenden sind \u00fcbereifrig auf Eroberung und Expansion ausgerichtet<\/td>\n<td>Die Konfliktparteien zerst\u00f6ren gegenseitig den internen Zusammenhalt: \u00absoziale Erosion\u00bb tritt auf<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Es kommt zu emotionalen Explosionen: Angreifende sowie Angegriffene zeigen \u00c4rger, Schadenfreude oder Triumph; extrovertiertes Verhalten ist bestimmend<\/td>\n<td>Die K\u00e4mpfenden zeigen als Angreifende oder Angegriffene keine Emotionen, vorhandene Emotionen entladen sich als Aggression und Selbstvorw\u00fcrfe gegen sich selbst<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Offene Reibungen, Widerspruch und Konfrontationen werden oft als lustvoll erlebt, wie ein sportliches Kr\u00e4ftemessen<\/td>\n<td>Direkte Begegnungen werden vermieden; die Parteien ziehen sich in den Hinterhalt zur\u00fcck \u2013 die Vermeidungszonen (und Tabuthemen) wachsen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Die Konfliktparteien negieren Vorschriften, um ungehindert k\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen; aggressive Aktionen durch Einsatz pers\u00f6nlicher Gewalt<\/td>\n<td>Die Konfliktparteien exponieren sich nicht als Aggressoren, schieben Regeln und Prozeduren vor; mobilisieren anonyme \u00abSystemgewalt\u00bb<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Durch Konfrontationen kommt ein Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit auf; \u00dcbermut und Siegesrausch verf\u00fchren zum \u00dcbersch\u00e4tzen der Gewinnchancen<\/td>\n<td>Angst und Ohnmacht zerst\u00f6ren das Selbstwertgef\u00fchl; durch kollektive Depression sehen die Beteiligten keine Chancen f\u00fcr konstruktive L\u00f6sungen<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Ob der Konflikt heiss oder kalt ausgetragen wird, hat f\u00fcr das Vorgehen Konsequenzen. Abstrakt gesagt: Ein kalter Konflikt muss mit eskalierenden Massnahmen erst etwas \u201eangew\u00e4rmt und aufgetaut\u201c werden, und ein heisser Konflikt muss vorerst \u201eabgek\u00fchlt\u201c werden. Wenn sich ein kalter Konflikt auf Eskalationsstufe 3 befindet, muss mit den Konfliktparteien bei einer Mediation vorerst so lange getrennt gearbeitet werden, bis sie wieder ein ausreichendes Selbstwertgef\u00fchl entwickelt haben. Bei heissen Konflikten kann hingegen noch auf Stufe 4 gemeinsam gearbeitet werden, z.B. mit der Methode der \u00abConfrontation Meetings\u00bb von Beckhard (\u00abThe confrontation meeting\u00bb, New York 1969). Mit Erreichen der Stufe 5 empfiehlt sich auch bei heissen Konflikten, zu Beginn mit den Parteien getrennt zu arbeiten. Nach erfolgreichen Interventionen gleichen sich sp\u00e4ter die Vorgehensweisen bei kalten oder heissen Konflikten an. Dies sind nur einige der Besonderheiten, auf die zu achten ist.<\/p>\n<p><strong>4. Rahmenvorgaben f\u00fcr die Konfliktbearbeitung<\/strong><\/p>\n<p>In vielen Situationen gelten von vornherein einschr\u00e4nkende Rahmenvorgaben bzw. Bedingungen. Wenn sich ein Ehepaar zur Scheidungsmediation durchgerungen hat, w\u00e4re die Ambition, mit einer \u00abTherapeutic Mediation\u00bb die Ehe vielleicht wieder kitten zu k\u00f6nnen, fehl am Platz. Ebenso wenn eine in Mediation geschulte Beamtin oder ein geschulter Beamter eines Sozialamtes einer zerr\u00fctteten Familie eine Sozialhilfe auszuzahlen hat und dabei meint, Familienmediation machen zu m\u00fcssen. Das kann problematisch werden, weil f\u00fcr die Beamtin\/den Beamten dazu weder die finanziellen noch die auftrags- und verfahrenstechnischen Voraussetzungen gegeben sind.<\/p>\n<p>Rahmenvorgaben k\u00f6nnen auch zur Folge haben, dass es gar nicht zur Annahme eines Mediationsauftrages kommt. Vielleicht kann dann mit einem anderen Ansatz immerhin der Schaden begrenzt werden, wenngleich die Konfliktpotenziale nicht wirklich bearbeitet werden.<\/p>\n<p><strong>5. Kontextbedingungen<\/strong><\/p>\n<p>Mediation und Konfliktmanagement m\u00fcssen auch auf die sonstigen Kontext-Bedingungen R\u00fccksicht nehmen. Das sind kulturelle (religi\u00f6se), historische, rechtliche und wirtschaftliche Faktoren.<\/p>\n<p>Dazu einige Beispiele: Traditionelle schwarzafrikanische Kulturen sind in der Regel weisheitsorientiert, weil Schiedsspr\u00fcche eines eingeweihten Stammesf\u00fcrsten hohe Akzeptanz geniessen. Hingegen herrscht in westlichen Industriel\u00e4ndern eine pragmatische Verhandlungskultur vor, die der klassischen Mediation offener gegen\u00fcber stehen. In maskulin orientierten Kulturen werden auf den ersten Blick Mediatorinnen und Beraterinnen einen schweren Stand haben. In ehemaligen Kolonien Englands wie in Sri Lanka m\u00fcssen Mediatoren und Beraterinnen aus England auf starke Vorbehalte gefasst sein, w\u00e4hrend norwegische, schweizerische oder \u00f6sterreichische Vermittler mit einem Bonus rechnen d\u00fcrfen.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":26,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_sb_is_suggestion_mode":false,"_sb_show_suggestion_boards":false,"_sb_show_comment_boards":false,"_sb_suggestion_history":"","_sb_update_block_changes":"","_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"class_list":["post-432","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/432","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-json\/wp\/v2\/users\/26"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=432"}],"version-history":[{"count":28,"href":"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/432\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3571,"href":"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/432\/revisions\/3571"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agripedia.ch\/zusammenarbeit\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}